Ernährungswende für den Klimaschutz

„Weniger Fleisch produzieren und essen, bedeutet mehr Klimaschutz“, lautet die wichtigste Botschaft von Reinhild Benning. Die Agrarexpertin von Germanwatch beschrieb auf Einladung des Stuttgarter BUND im Bürgerzentrum West, was Politik, Bauern und Verbraucher zur Agrarwende beitragen können.

„20 Prozent unserer Klimaemissionen pro Kopf entfallen auf die Ernährung“, bilanziert Reinhild Benning. Die Agrarexpertin der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch referierte auf Einladung der Stuttgarter Umweltverbände, wie Verbraucher und Landwirtschaft die Pariser Klimaziele gemeinsam erreichen können. Während sich die Bundesumweltministerin und der Bundesandwirtschaftsminister vor der Klimakonferenz in Marrakesch weder auf den Abbau von Tierbeständen noch auf konkrete Ziele für die Landwirtschaft einigen konnten, können Verbraucher durchaus etwas tun: vor allem weniger tierische Produkte essen.

Denn 71 Prozent der Klimaemissionen aus der Landwirtschaft stammen aus der Tierhaltung. „Während wir Deutschen ungefähr die Hälfte unserer Kalorien aus tierischen Lebensmitteln aufnehmen, sind es in Italien nur rund ein Viertel“, weiß die staatlich geprüfte Landwirtin Benning. Erfreulicherweise sei der Fleischkonsum bei uns schon leicht auf knapp 60 kg pro Jahr und Kopf zurückgegangen. Dieser Fortschritt wird allerdings durch den Fleischexport wieder aufgefressen. Laut Statistik geht rechnerisch jedes fünfte Schwein und jedes dritte Huhn in den Export.

Davon profitierten jedoch nicht die Landwirte, sondern die fleischverarbeitende Industrie. Das Überangebot an Tieren erlaube ihnen, die Preise sogar unter die Produktionskosten zu drücken. Neu geplante Intensivtierhaltungen für Schweine und Geflügel bekommen in vielen Bundesländern nach wie vor Investitionszuschüsse.

Aus Klimasicht auf viel besserem Boden stehe der ökologische Landbau, so die Agrarexpertin. Das läge an der geringeren Tierdichte, der flächengebundenen Tierhaltung und der Weidehaltung, die zum Grünlanderhalt beitrage. Denn Wiesen und Weiden sind nach den Wäldern unser wichtigster CO2-Speicher. Außerdem ist es besser, wenn Tiere ihre Hinterlassenschaften auf der Weide verteilen. Dort bleiben Kot und Urin getrennt und so kühl wie die Außentemperatur, wodurch weniger Ammoniak entsteht als bei der Stallhaltung mit höheren Temperaturen und Güllewirtschaft. Ammoniak gilt als besonders klimaschädliches Gas. Es entwickelt sich vermehrt, wenn Kot und Urin miteinander reagieren oder Gülle erwärmt wird. Außerdem punkten die Biobauern mit der organischen Düngung und einer humusmehrenden Fruchtfolge. Dagegen arbeiten konventionelle Landwirte mit Mineraldüngern, deren Herstellung "tierisch" viel Energie braucht: pro Kilogramm etwa einen Liter Erdöl.

Damit Verbraucher künftig ein klima- und tierfreundliches produziertes Fleisch auch erkennen können, plädieren Umwelt- und Tierschutzverbände für eine Kennzeichnungspflicht wie bei Eiern. „0 wäre Fleisch aus Biohaltung, 1 Prämienstufe mit Weide und Stroh, 2 Einstiegsstufe mit mehr Stallplatz pro Tier und 3 der gesetzliche Mindeststandard“, erklärt Reinhild Benning. „Bei den Eiern haben wir gesehen, dass so eine Kennzeichnungspflicht am Markt Berge versetzen kann. Es gibt heute kaum noch Käfigeier.“

Jutta Schneider-Rapp (BUND-Vorstandsmitglied, 0711 674474644)



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