Stuttgart, 27.10.2017

Pressemitteilung

Klebrige Taubenvergrämungspaste gefährdet geschützte Vogelarten und Fledermäuse

BUND fordert Verbot in Stuttgart und anderswo

In Stuttgart wird u.a. am Einkaufszentrum Milaneo an Fensterbänken, Rohren, Leitungen und vielen weiteren horizontalen Bauteilen zur Taubenabwehr die stark klebende Taubenvergrämungspaste „nopaloma“ verwendet. Die mit Quarzsand bedeckte Klebemasse soll bei Vögeln, die darauf landen ein unangenehmes Empfinden hervorrufen, sodass sie nach zwei bis dreimaliger Wiederkehr ganz wegbleiben. Der Quarzsand soll eine Berührung der Klebepaste beim Landen verhindern. Tauben und andere Vogelarten haben Krallen, die den Sand durchdringen und mit der Paste dennoch in Berührung kommen. Mit Schwanz und Bauchfedern ist beim Landen ein Kontakt mit der Paste ebenfalls möglich. Nachweislich wurden auch in Stuttgart schon mehrere, mit „nopaloma“ verklebte Tauben gesichtet und versorgt.

In Stuttgart gibt es mehrere Reviere und Brutplätze des nach Bundesartenschutzgesetz streng geschützten Wanderfalken. Wanderfalken ernähren sich im städtischen Umfeld überwiegend von Tauben.

Tauben, die mit „nopaloma „in Berührung kamen, sind in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und somit eine leichte Beute für Wanderfalken. Mit der Taube nimmt der streng geschützte Wanderfalke „nopaloma“ unbemerkt auf - die Folgewirkungen sind für den Falken mit großer Wahrscheinlichkeit negativ. Anfang Juni wurde auf dem Dach der Matthäuskirche in Stuttgart-Heslach ein toter Wanderfalke auf dem Kirchendach entdeckt. Die Todesursache ist ungeklärt. Ein Zusammenhang mit „nopaloma“ ist nicht auszuschließen.

Neben dem Wanderfalken drohen weitere besonders und zum Teil streng geschützte Vogelarten durch die Klebepaste „nopaloma“ direkt Schaden zu nehmen - vor allem durch Verkleben der Füße, des Schnabels und des Gefieders. Folgende Arten sind u.a. betroffen: Turmfalke, Mauersegler, Dohle, Star, Amsel, Hausperling, Feldsperling, Hausrotschwanz, Girlitz, Buntspecht. Alle diese Arten werden regelmäßig in der Stuttgarter Innenstadt im Bereich von Häuserfassaden und -dächer beobachtet. Einige der genannten Arten stehen auch auf der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Vogelarten z.B. Star, Haussperling, und Feldsperling.

Vor kurzem hat der NABU in Leipzig einen toten Turmfalken gefunden, der aufgrund eines durch „nopaloma“ völlig verklebten Gefieders zu Tode kam.

Des Weiteren besteht durch die klebrige Gel-Masse eine Gefährdung von gebäudebewohnenden streng geschützten Fledermausarten wie z.B. der Zwergfledermaus. Eine Art, die erfreulicherweise in der Stuttgart Innenstadt regelmäßig beobachtet werden kann.

„Wir sehen in der Verwendung dieser Vergrämungspaste gleich mehrere Verstöße gegen geltende Naturschutz-, Artenschutz und Tierschutzgesetze und fordern deshalb ein sofortiges Verwendungsverbot“, sagt Gerhard Pfeifer, Diplom-Biologe und Geschäftsführer beim BUND Regionalverband Stuttgart.

Der BUND weist darauf hin, dass es inzwischen auch Taubenabwehr Gels gibt, die über grelle Farben einen Scheucheffekt bewirken und keine Klebeigenschaften mehr aufweisen. Diese sollten statt den Produkten wie „nopaloma“ mit Haftwirkungen eingesetzt werden.

Zudem fordert der BUND in Stuttgart vermehrt städtische Taubenhäuser zu errichten, bei denen über gezielte Eientnahmen der Bestand an Straßentauben nach den bisherigen Erfahrungen erfolgreich reguliert werden kann.



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