Biotopaufwertung statt Eidechsenumsiedlung: BUND kritisiert Bahn

Zauneidechse - Foto: Dr. Wolf D. Paul

Stuttgart 21 bleibt auch beim Artenschutz teuer und ineffektiv: So sollen bei dem aktuellen 10. Planänderungsverfahren für den S21-Abschnitt 1.6a in Obertürkheim streng geschützte Eidechsen aufwändig umgesiedelt bzw. in einem Freiland-Terrarium im Albvorland „zwischengehältert“ werden, bis sie irgendwann wieder ins Neckartal „rückgesiedelt“ werden. Diesen Verschiebebahnhof für die empfindlichen Reptilien lehnen der BUND und der Landesnaturschutzverband LNV in einer gemeinsamen Stellungnahme ab und schlagen Alternativen vor.

So empfiehlt der BUND, benachbarte, trockenwarme Bahnböschungsflächen als Ersatzlebensräume herzurichten und die Mauereidechsen dorthin zu vergrämen. Dies sei für die Tiere wesentlich schonender als der Fang, Transport und Umzug in eine völlig fremde Umgebung. „Es ist schon seltsam, warum die Bahn auf ihren eigenen Grundstücken partout keine Ausgleichsmaßnahmen umsetzen will. Vermutlich will die eigenständige DB-Netz, die diese Flächen betreut, auf keinen Fall Lasten auf ihren Grundstücken, sondern lässt lieber die für S21 zuständige DB Projekt GmbH im Regen stehen“, mutmaßt BUND Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer.

Wolf-Dietrich Paul, Naturschutzexperte beim BUND und LNV kritisiert das sinnlose „Eidechsen-Hopping“ als lebensbedrohlichen Stress. Bisher konnte die Bahn nicht belegen, dass die extrem aufwändige Umsiedlung überhaupt funktioniert. Für die Zauneidechsen listet der Biologe zahlreiche zugewachsene Weinberggrundstücke in den oberen Neckarvororten auf, die sich als geeignete Ausgleichsflächen geradezu aufdrängen. Die Optimierung des Lebensraums der dortigen Populationen mache eine Umsiedlung nach Steinheim unnötig. Konkret geht es um rund 60 Zauneidechsen, die nach Steinheim/Murr in einen ehemaligen Weinberg umgesiedelt werden. Dort kümmern schon die zwangsumgesiedelten S21-Zauneidechsen aus Feuerbach vor sich hin. Denn die Bahn hatte die Flächen für die sonnenhungrigen Tiere nicht ausreichend gemäht. Die 360 Mauereidechsen sollen in Obertürkheim gefangen und in einem Freiland-Terrarium bei Kirchheim/Teck die Bauarbeiten abwarten. Ob sie das überleben und sich wieder in Stuttgart einleben, bezweifeln die ehrenamtlichen Experten.

Rückfragen an: Dr. Wolf D. Paul: 0151 / 28737883; Gerhard Pfeifer: 0711 / 61970-40



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