Zu viel Quecksilber in der Stuttgarter Luft

Störfälle müssen sofort gemeldet werden

Quecksilber ist beim Menschen ab einer Dosis von 150-300mg tödlich. Als am 22. September 2015 abends aus dem Müllheizkraftwerk in Stuttgart-Münster mit einem schlagartigen Anstieg Quecksilber austrat, wurde stillgeschwiegen. Erst acht Tage später hatte der aktienorientierte Betreiber EnBW der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass der Austritt von Quecksilberemissionen rasant den Grenzwert überschreitet hat.

Besonders heikel war die Frage des Ausmaßes. Nach Anfragen vom BUND Regionalverband Stuttgart an das Regierungspräsidium (RP) stützt man sich auf die Angaben der EnBW, die dem RP einen Wert von 100-200µg/m³, bis sogar 400 µg/m³ nach einer gescheiterten Inbetriebnahme mitteilten. Laut Regierungspräsidium ist oberhalb des Messbereichendwerts von 100µg/m³ überhaupt keine gesicherte Messung mehr möglich. Obwohl man also letztendlich nicht sagen kann, wieviel Quecksilber entwichen ist, bezieht sich das RP auf eine Immissionsprognose aus dem Jahre 2001, was darüber aussagt, dass eine Gesundheitsgefahr für die betroffenen Anwohner aus Stuttgart-Münster,-Mühlhausen,-Zuffenhausen,-Stammheim, die bei der geherrschten südwestlicher Windrichtung die Luft abbekommen haben, ausschließt.

Doch erst acht Tage später an die Öffentlichkeit damit zu gehen, dass das Kraftwerk abgeschaltet wurde und mehrfach Reaktivierungsversuche abgebrochen worden mussten, ist ein gezieltes Verschweigen. Dass eine Wiederinbetriebnahme scheiterte beweiset auch, dass die EnBW keine Garantie geben konnte, ob das Ansteigen der Quecksilberemissionen weitergeht und damit eine Gefahr für das gesundheitliche Wohl der Einwohner ist. Es muss verhindert werden, dass ein Konzern über einen Vorfall mit potenzieller Gefahr für die Gesundheit nie wieder tagelang stillschweigt!

Aus Sicht des BUND ist es somit nicht hinnehmbar, dass die EnBW aus bisher unbekannten Gründen den Störfall nicht gemeldet hat und die Öffentlichkeit keine Kontrolle über die Werte des Kraftwerkes hat. Deshalb sollen die Kraftwerksbetreiber ihre derzeitigen Werte transparent machen und zu einer Meldung verpflichtet werden. Die Menschen müssen wahrheitsgetreu informiert sein, um vor einer potentiellen Gefahr am Schnellsten reagieren können.

Im nachfolgenden Anhang macht der BUND das Rückschreiben des Regierungspräsidiums Stuttgart transparent:

Antwort_auf_Fragenkatalog_BUND_Stuttgart.pdf



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