Der BUND zu Mobilfunk

Der BUND vertritt bundesweit, dass die Mobilfunk-Strahlenbelastung durch Anwendung neuester Technik minimiert werden muss. Dafür haben wir uns im Gemeinderat zusammen mit der Stuttgarter Mobilfunk-Bürgerinitiative eingesetzt, mit einem ersten Erfolg. Der Gemeinderat hat zum Haushalt 2016/2017 beschlossen, dass in Stuttgarter Stadtteilen ein Kleinzellennetz zur Minimierung der Mobilfunkstrahlung nach dem Vorbild von St. Gallen erprobt wird. Außerdem wird in einer Schule als Alternative zu WLAN die VLC-Technologie (Visible Light Communication) eingeführt. Die Initiative zu diesen Anträgen gingen von den GRÜNEN und SÖS-LINKE-PLuS aus, auch die CDU hat dafür gestimmt.

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Bericht: Mobilfunk aus ärztlicher Sicht

Stuttgart, 12.03.2016. Das hatten wir nicht erwartet: 130 Besucher wollten im Bürgerzentrum den Vortrag des Umweltmediziners Dr. Banzhaf aus Bisingen hören. Veranstalter waren der BUND, die Bürgerinitiative Mobilfunk und das Eltern-Kind-Zentrum. Dr. Banzhaf ist einer der wenigen Umweltmediziner, denn trotz steigender Umweltbelastungen wurde die Ausbildung in Umweltmedizin abgeschafft, bezeichnend für unser Gesundheitssystem. Und so landen in der Praxis von Dr. Banzhaf viele sogenannte austherapierte, aber krank gebliebene Patienten, weil die Schulmedizin nicht mehr weiter weiß.

"Es gibt kaum eine eindeutigere Studienlage..."

Dr. Banzhaf erklärte gleich zu Anfang seines Vortrages, warum die Mobilfunkstrahlung die Zellen schädigt: "Die Zahl der Menschen, die auf elektromagnetische Strahlen mit unterschiedlichsten Symptomen rea­gie­ren, steigt an. Die Rede ist von Elektrohypersensibilität (EHS). Denn nur aufgrund des Zusammenspiels von Elektrophysiologie und Bioche­mie können wir überhaupt leben. Jede der Billionen Zellen in unserem Körper ist angewiesen auf eine mehr oder weniger konstante Zellspannung". Die künstlich erzeugte Mobilfunkstrahlung stört diese Homöostase, weil sie als Störstrahlung in den Zellen wirkt: "Es gibt kaum eine eindeutigere Studienlage als die zur Schädigung der Zellen und zum Auslösen von Zellstress durch Mobilfunk. Die Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten werden jetzt alle mit WLAN ausgestattet – das ist aus umweltmedizinischer Sicht ein Super-GAU." Mit Studien aus der WHO-Datenbank untermauerte Dr. Banzhaf die Risiken. Die Strahlung öffnet die Bluthirnschranke und lässt Giftstoffe ins Gehirn, gerade erst wurde wieder eine Studie dazu publiziert. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigte 2015 mit einer von ihm finanzierten Studie die krebsfördernde Wirkung selbst niedriger Strahlungsintensitäten. 130 Studien liegen zur Spermien - und Embryoschädigung vor, Banzhaf ging auf einige detailliert ein. Auch erläuterte er, warum Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit mit der Smartphone-Nutzung oder mit Sendemasten zusammenhängen können.

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Innovativer Mobilfunk – künftig auch in Stuttgart!

Die Datenmengen, die wir täglich auf unsere Smartphones, Tablets und Rechner laden, verdoppeln sich innerhalb weniger Monate. Übertragungsnetze kommen deshalb immer schneller an ihre Grenzen. Die Mobilfunkbetreiber rüsten, unkoordiniert und jeder für sich, nun mit zusätzlichen Sendemasten und WLAN-Angeboten (z.B. WLAN to go) nach. Dies bedeutet eine immer höhere Strahlenbelastung für uns Menschen. Mehr Daten – weniger Strahlung, das wäre durch eine abgestimmte Planung möglich. So könnten unnötige Mehrfach-Strahlenbelastungen verhindert und Übertragungsraten verbessert werden.

Genau das kann mit einem Kleinzellennetz realisiert werden. Eine Mobilfunkantenne kann durch ca. 20 Kleinstzellen ersetzt werden, die an Häuserecken und Laternen angebracht werden. Dadurch wird die Funkstrecke stark verkürzt, die Funkzellen können mit geringer Leistung und höheren Übertragungsraten senden und empfangen. Die Strahlenbelastung bleibt auch im näheren Umfeld der Sendeanlagen gering. Smartphones und Tablets können dadurch mit weniger Leistung senden und empfangen, weil in der Regel keine dämpfende Baumasse, Wände und Decken mehr überwunden werden muss. Entscheidend: Wohnungen werden nicht zwangsweise von außen durchstrahlt und bleiben funkarm. Eine gewünschte Indoor-Versorgung (Wohnung, Arbeitsstelle) kann durch den schnellen Breitbandanschluss, durch Femtozellen oder über den Router individuell eingerichtet werden. Für dieses Pilotprojekt werden in den kommenden zwei Jahren 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

VLC – Surfen über Licht: heute schon möglich

Der zweite Beschluss: Zur schnellen Datenübertragung an Schulen soll ein Pilotprojekt mit VLC-Technologie in Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Hertz-Institut Berlin finanziert werden. Bereits 2007 warnte die Europäische Umweltagentur (EEA) und 2011 der Europarat vor den möglichen Gefahren für Kinder durch hochfrequente Strahlung durch WLAN oder Mobilfunk. Mittlerweile steht mit VLC eine technische Alternative zur Verfügung, die diese Bedenken ausräumen könnte. Daten werden gesundheitlich unbedenklich auf optischer Basis übertragen. Die Technik ist faszinierend: Handelsübliche LED-basierte Lampen mit einem zusätzlichen Chip werden gleichzeitig als Datensender genutzt. Die Technologie wird vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin entwickelt.

Derzeit läuft auf der Insel Mainau ein Modellprojekt, das vom Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg unterstützt wird. Ein weiterer Vorteil liegt in der weit höheren Leistungsfähigkeit. VLC ermöglicht sehr hohe Datenraten (über 1 Gbit/s). Schulklassen könnten zukünftig über VLC Unterrichtsfilme ohne Probleme streamen – WLAN Accesspoints wären damit hoffnungslos überfordert. Und, auch für Schulen nicht unerheblich: VLC ist unter Datenschutzaspekten eine sehr sichere Technologie. In den nächsten zwei Jahren wird an einer Stuttgarter Schule in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut und dem Stadtmedienzentrum die VLC-Technologie erprobt und weiterentwickelt. Dafür stehen 120.000 Euro zur Verfügung. Stuttgart kann so einen Beitrag zum technischen Fortschritt und zum Gesundheitsschutz leisten. Noch stehen die Beschlüsse auf dem Papier. Es bedarf nun der Initiative, sie in die Praxis umzusetzen. Wir bleiben am Ball.



Aktuelle Termine des BUND Stuttgart

28. September 2017

19:00 - 21:00

VortragVortrag: Die Stadt für Morgen - wie wollen wir leben?

Vortrag von Dr. Katrin Dziekan (Fachgebietsleiterin beim Umweltbundesam) Die aktuelle Realität in...

29. September 2017 - 01. Oktober 2017

16:00 - 16:00

Naturschutztage an der Elbe

2017 ist ein besonderes Jubiläumsjahr, denn der BUND lädt bereits zum zehnten Mal in Folge zu den...

12. Oktober 2017 - 14. Oktober 2017

WorkshopWorkshop #2 im Projekt „Jugend trifft Erfahrung“

Ende 2022 soll das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet werden, doch die Probleme sind...

13. Oktober 2017 - 15. Oktober 2017

12:00 - 12:30

Wirtschaftswissenschaft für Nachhaltige Entwicklung

Die Rolle der Wissenschaften für eine nachhaltige, globale Entwicklung ist entscheidend und...

24. Oktober 2017

18:30 - 20:30

VortragVortrag: Feinstaub macht krank

Prof. Dr. Hans Schweisfurth (Direktor des Pulmologischen Forschungsinstituts in...

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