BUND Kreisverband Stuttgart

Buchtipp zum Welttag der Wissenschaft: Sustainable Energy – Without the Hot Air von David JC MacKay

10. November 2020

Wie können wir das Fortschreiten des Klimawandels aufhalten? Können wir unseren Energieverbrauch komplett aus regenerativen Quellen decken oder müssen wir auch unseren Lebensstil ändern? Der Naturwissenschaftler David MacKay hat nachvollziehbar nachgerechnet und sein Buch kostenlos zum Download angeboten.

Foto: BUND KV Stuttgart

Sustainable Energy – Without the Hot Air von David JC MacKay

Warum ich das Buch wichtig finde:

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass es eine ökologische Katastrophe oder ein extremes Wetterereignis in die Schlagzeilen schafft: Waldbrände von Kalifornien bis Washington, Überschwemmungen in Griechenland, eine Dürreperiode in Rumänien, auftauender Permafrostboden in Sibirien, die Havarie eines Öltankers vor Mauritius und so weiter. Die deutliche Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig: Wir Menschen sind mit unserem Lebensstil hauptverantwortlich für die immer schnellere Abfolge solcher Katastrophen und den rasanten Verlauf des Klimawandels.

Doch wie können wir das Fortschreiten des Klimawandels verhindern? Können wir es schaffen, unseren Energiebedarf vollständig aus regenerativen Quellen zu decken? Oder müssen wir auch unseren Lebensstil ändern? Reicht es, wenn wir freiwillig die Temperatur in unseren Wohnungen im Winter um 1 °C senken, kleinere Autos fahren und Elektrogeräte nicht ewig an der Steckdose angeschlossen lassen? Oder sollten die Regierungen gar Gesetze zur Verminderung des Energieverbrauchs erlassen?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht jemand zu diesen Fragen irgendwelche Argumente und Zahlen in den Raum stellt, die niemand überprüfen oder nachvollziehen kann. Dem stellt dieses Buch belastbare Zahlen entgegen und regt zum Weiterdenken an, ohne die große Moralkeule zu schwingen. Obwohl das Buch schon 2009 erschien, ist es brandaktuell, denn der Klimawandel hat sich in den letzten zehn Jahren verschärft.

 

Über das Buch:

David MacKay hat belastbare Zahlen zum Energieverbrauch und den verschiedenen Verfahren zur Energieerzeugung gesammelt und am Beispiel seines Heimatlands Großbritannien nachvollziehbar nachgerechnet:

  • Durchschnittlich verbrauchte eine Person täglich knapp 200 kWh Energie, davon etwas mehr als die Hälfte für Autofahrten, Flüge sowie das Heizen und Kühlen von Gebäuden, unter 10 % für die Herstellung von Lebensmitteln und etwa 30 % für die Herstellung anderer Güter und deren Transport.
  • In Großbritannien stehen verschiedene erneuerbare Energiequellen zur Verfügung: Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Im Durchschnitt könnten diese zusammen bis zu 180 kWh pro Tag und Person decken.
  • Großbritannien könnte seinen Energiebedarf also theoretisch fast ausschließlich aus eigenen erneuerbaren Energiequellen decken.
  • Alternativ wäre es möglich, den Energiebedarf der Weltbevölkerung mit Hilfe von Sonnenkraftwerken zu decken, die zum Beispiel in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel gebaut werden könnten.
  • Der Autor hielt es auch für denkbar, dass für eine Übergangszeit weiterhin fossile Energiequellen wie Kohle zur Energieerzeugung genutzt werden, wenn das dabei entstehende CO2 sicher in den Boden eingelagert werden kann.

Warum sind wir in der Praxis dennoch so weit entfernt von einer nachhaltigen Energiewirtschaft? Das Buch weist auf wichtige Gründe dafür hin:

  • Zum einen steht der Ausbau der erneuerbaren Energien anderen Interessen entgegen: Beispielsweise stehen Wind- und Wasserkraftanlagen im Konflikt mit dem Artenschutz, Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen empfinden viele Menschen als Verschandelung der Landschaft und die Nutzung von Biomasse steht in Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungsmitteln.
  • Zum anderen stehen viele unserer individuellen Konsumwünsche der Notwendigkeit entgegen, unseren Energie- und Ressourcenverbrauch zu senken.
  • Weiterhin ist die Infrastruktur nicht vorhanden, um Solarenergie aus sonnenreichen Ländern in Länder mit hohem Energiebedarf zu transportieren.

Wie das Scheitern des 2009 hoffnungsvoll gestarteten Projekts Desertec zeigte, stehen auch politische und wirtschaftliche Interessen dem Wandel hin zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft entgegen.

Das Buch enthält auch Zahlenmaterial zu anderen Ländern. Da der Autor transparent und verständlich dargestellt hat, wie er zu den genannten Zahlen gekommen ist, eignet sich das Buch gut als Richtschnur für Leute, die entsprechende Überlegungen zum Energiehaushalt ihres eigenen Heimatlands anstellen möchten.

Diesbezüglich sei darauf hingewiesen, dass Fridays for Future das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie beauftragt hat zu untersuchen, wie Deutschland bis 2035 CO2-neutral werden kann. Im Oktober 2020 wurde die Studie dazu veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland CO2-neutral werden kann, wenn der Ausbau von Solarenergie- und Windkraftanlagen in Deutschland deutlich verstärkt wird und zusätzlich mit erneuerbaren Energien produzierte, klimaneutrale Energieträger (Wasserstoff, Synfuels) importiert werden. Weiterhin müssen gewisse industrie-, verkehrs- und baupolitische Maßnahmen umgesetzt werden. Nähere Informationen und Downloads hierzu sind unter https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/5169 zu finden.

 

Über den Autor:

Nach einem naturwissenschaftlichen Studium und einer Promotion im Bereich der rechnergestützten Simulation hatte David MacKay zwischen 1996 und 2013 eine Professur für Physik in Cambridge inne, bevor er 2013 an ein ingenieurwissenschaftliches Institut wechselte. Als sein Buch 2009 veröffentlicht wurde, war er Mitglied eines Expertenzirkels, der die britische Regierung im Hinblick auf die Energieversorgung und den Klimawandel beriet. Leider verstarb David MacKay bereits 2016 im Alter von nur 48 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

 

So kommst Du an das Buch:

Unter https://www.withouthotair.com kannst Du das Buch kostenfrei herunterladen.

Wenn Du lieber ein gedrucktes Buch in Deinen Händen hältst, kannst Du es bei Deinem Buchladen um die Ecke bestellen (Taschenbuch: ISBN 978-0-9544529-3-3, gebundenes Buch: ISBN 978-1-906860-01-1).

Leider ist das Buch nur in englischer Sprache erhältlich. Aber keine Angst, es ist verständlich geschrieben und verzichtet weitgehend auf komplizierte Fachbegriffe.

 

Sascha Grob gehört zum Redaktionsteam des BUND Stuttgart und ist Mitglied im Vorstand. Der Verfahrenstechniker setzt sich für den Natur- und Klimaschutz ein und ist gerne mit dem Fahrrad unterwegs.

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