BUND Kreisverband Stuttgart

Geplanter Radschnellweg in Bad Cannstatt darf nicht an unrealistischen Standards scheitern!

26. März 2021 | Lebenswertes Stuttgart, Mobilität

BUND hofft auf Einsicht bei der Stuttgarter Gemeinderatsfraktion Die FrAKTION

Der Stuttgarter Radentscheid hat 2019 die Radszene in Aufbruchstimmung versetzt. 35.000 Stuttgarter Bürger*innen haben sich in elf Punkten zu einer Fahrradstadt Stuttgart bekannt. Eine Forderung war, dass alle Radwege baulich getrennt von den Autofahrspuren anzulegen sind. Dieser Standard wurde in einem Gemeinderatsbeschluss festgeschrieben.

Der nun im Gemeinderat vorgestellte Radschnellweg in der Nürnberger Straße erfüllt diese Vorgaben nicht. Die Verwaltung hat einen drei Meter breiten, markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn vorgestellt, auf dem zwei Radfahrende nebeneinander fahren können. Mit dem 75 cm Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos erfüllt der Radweg alle Standards, die an Radschnellwege gestellt werden. Das ist eine zentrale Voraussetzung, damit das 3-Mio-Euro-Projekt rund 90% Zuschüsse von Bund und Land erhält.

Nach Einschätzung des BUND sind die Argumente der Verwaltung nachvollziehbar, auf einen baulichen Radweg in der Nürnberger Straße zu verzichten. Als Unterstützer des Radentscheids sieht der BUND die Vorteile von baulichen Radwegen, weil sich die Radfahrenden dort sicherer fühlen. Allerdings heißt dies nicht, dass die vorliegenden Planungen für die Nürnberger Straße ungeeignet wären. „Mit den breiten Radfahrstreifen, dem Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos und Tempo 40 für die Autos dürfte die Sicherheit für die Radfahrer höher sein als in mancher Tempo-30-Zone“, meint Clarissa Seitz, Vorsitzende des BUND-Kreisverbands Stuttgart.

Bei einem baulichen Radweg müssten die parkenden Autos in die Mitte rücken, der Radweg würde dann rechts am Straßenrand verlaufen. Die parkenden Autos benötigen auf beiden Seiten einen Sicherheitsabstand, deshalb bleiben zum Radfahren nur noch ca. zwei Meter übrig. Beim Nebeneinanderfahren und Überholen kommt man gefährlich nah an die parkenden Autos. Der komplette Umbau bzw. die Neuordnung der Straße auf einer Länge von 1,8 km wäre relativ teuer. Die Kosten müsste die Stadt weitgehend alleine tragen, da Luxuslösungen und zu schmale Radschnellwege vom Bund und Land nicht bezuschusst werden. Zudem würde die Müllabfuhr den Autoverkehr zum Erliegen bringen.

„In der Abwägung sprechen gewichtige Gründe gegen den baulichen Radweg in der Nürnberger Straße“, stellt Clarissa Seitz fest und verweist auch auf die lange Umplanungs- und Realisierungsdauer „Man kann die Verwaltung für vieles kritisieren – der Radschnellweg Nürnberger Straße ist ein gelungener Baustein einer Verkehrswende in Stuttgart“, lobt Seitz die Stadt.

Clarissa Seitz weiter: „Seit der Verabschiedung des Radentscheids haben wir in Stuttgart mittlerweile viele Straßen mit Tempo 40 wie in der Nürnberger Straße, da sind bauliche Radwege in vielen Fällen nicht mehr notwendig“.

Der BUND hofft, dass die Vertreter*innen der Radverbände und der FrAKTION am kommenden Dienstag im Unterausschuss Mobilität ihrer Verantwortung gerecht werden und den Planungen der Stadt zustimmen. Ein Scheitern des Radschnellwegs in der Nürnberger Straße wäre ein verheerendes Signal an alle Radfahrenden in Stuttgart.

Ergänzung und Neuigkeiten zum Radschnellweg - 07.04.2021

Der BUND unterstützt den Vorschlag vom ADFC und fordert einen Pop-Up-Radstreifen als Übergangsphase bis zum Baubeschluss Mitte 2022. Somit werden die Anwohner bereits jetzt vom Verkehrslärm entlastet und der Radweg kann als Eingewöhungphase dienen, bis der bauliche Beschluss für einen konkreten Radweg besteht.
Der BUND schlägt daher vor, die Beschlussvorlage 877/2020 wie folgt zu ändern (Änderungen kursiv):
1) Der Vorplanung zur Nürnberger Straße in Bad Cannstatt im Abschnitt zwischen Remstalstraße und der Gemarkungsgrenze zu Fellbach gemäß Anlage 1 wird zugestimmt, wobei für den Abschnitt Remstalstraße-Normannstraße die endgültige Entscheidung mit dem Baubeschluss getroffen wird.
1a) Für den Abschnitt Remstalstraße-Normannstraße wird auf der Grundlage der Vorplanung des Amts für Stadtplanung und Wohnen zügig der Verkehrszeichenplan für einen Pop-Up-Radstreifen erarbeitet und angeordnet. Der Pop-Up-Radstreifen soll spätestens in den Sommerferien 2021 realisiert werden.

2. Die Verwaltung wird beauftragt für die Neuplanung der Lichtsignalanlage Nürnberger Straße / Beskidenstraße eine zukünftige Schnellbuslinie aus dem Rems-Murr-Kreis sowie eine Zuflussdosierung im Sinne des Antrags 295/2020 Ziffer 3 zu berücksichtigen und mit den benachbarten Gebietskörperschaften abzustimmen.

3. Der Vorplanung zur Nürnberger Straße in Bad Cannstatt im Abschnitt zwischen Augsburger Straße und Remstalstraße gemäß Anlage 2 wird zugestimmt.


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