BUND Kreisverband Stuttgart

Illegale Mountainbike-Trails in Uhlbach gefährden Natur und Spaziergänger

08. Oktober 2020

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wächst der Druck auf die heimische Natur. So hat die Freizeitnutzung Stuttgarter Wälder durch Fahrradfahrende drastisch zugenommen. Das stört zu Fußgänger und schadet dem Wald, Wildpflanzen und Tieren. Außerdem ist es verboten. Denn Radfahren ist nur auf befestigten, über zwei Meter breiten Wegen erlaubt...

Verbotsschilder werden häufig ignoriert Bild: Wolf-Dietrich Paul - BUND KV Stuttgart

BUND Kreis- und Regionalverband Stuttgart

Pressemitteilung

zum Ortstermin im Waldgebiet um 7-Linden in Uhlbach am  08.10.2020

Illegale Mountainbike-Trails in Uhlbach gefährden Natur und Spaziergänger

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wächst der Druck auf die heimische Natur. So hat die Freizeitnutzung Stuttgarter Wälder durch Fahrradfahrende drastisch zugenommen. Das stört zu Fußgänger und schadet dem Wald, Wildpflanzen und Tieren. Außerdem ist es verboten. Denn Radfahren ist nur auf befestigten, über zwei Meter breiten Wegen erlaubt.

Als besonders negatives Beispiel hat Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer des BUND, der Presse kürzlich die Trails um die Dischinger Burg in Weilimdorf vorgestellt. Als Folge beabsichtigt die Forstverwaltung, dort Strecken zurückzubauen. Wolf-D. Paul vom BUND Kreisverband hat nun ein zweites, schlechtes Beispiel ausfindig gemacht: Das ökologisch wertvolle Waldgebiet in Uhlbach um die Waldschänke 7-Linden herum ist kreuz und quer von illegalen Trails durchzogen. Aber auch schmale Wege werden rücksichtslos befahren. Zum Beispiel der Fußpfad entlang des besonders geschützten Waldbiotops Lindhalden- bzw. Hainbach an der Grenze zu Esslingen. „Die Schäden durch rücksichtslose Radfahrende haben in diesem Jahr stark zugenommen. Der feuchte Boden der Talaue ist so verdichtet, dass dort keine Pflanze mehr hochkommt, Waldvogelarten verschwinden durch die Scheuchwirkung, Amphibien werden platt gefahren“, beklagt BUND Vorstand Paul.

Illegale Trails und zu viel Radrummel stören in vielen Stuttgarter Waldgebieten die Vögel insbesondere beim Brüten. Besonders empfindlich reagieren seltene Vogelarten wie Wespenbussard, Baumfalke, Grauspecht und Schwarzspecht. Außerdem entstehen Konflikte mit Spaziergängern und Wanderer, darunter viele Familien mit Kindern.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Wir vom BUND setzen uns für die vermehrte Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel und in der Freizeit ein. Aber das Radfahren sollte naturverträglich erfolgen“, stellt Naturschützer Pfeifer klar. Dagegen fordern die Mountainbiker, vermehrt legale Trails anzulegen. Dem Dialog mit den MTB-Vertretern verweigern wir uns nicht, betonen Pfeifer und Paul. „Aber bevor wir darüber diskutieren, muss die illegale Nutzung zumindest in ökologisch sensiblen Bereichen umgehend aufhören.“

Die Vertreter des BUND fordern die Stadt Stuttgart auf, die naturzerstörerische Nutzung am Lindhalden-/Hainbach/Krebsbach einzudämmen. Da hier große Bereiche zu Esslingen und Kernen gehören und große Teile Privatwald sind, müssen die Maßnahmen abgestimmt werden. Auch anderenorts muss die Forstverwaltung Strecken durch besonders wertvolle Gebiete dauerhaft für Fahrradfahrer sperren. Es wird vorgeschlagen, Tabu-Gebiete durch ein Gutachten zu identifizieren. Ferner sollte es attraktive, nach derzeitiger Rechtslage legale MTB-Strecken auf Waldwegen als Angebot an die Radfahrer beschildert und in einer Karte dargestellt werden. Auf der anderen Seite müssen Verbotsschilder für Tabu-Gebiete das Fahrverbot anzeigen, was aber allein nicht ausreicht, so Pfeifer und Paul. Über ansprechende Informationstafeln und Öffentlichkeitsarbeit muss die Bevölkerung und insbesondere die Moutainbikeszene - zielgruppenspezifische über die Gründe des Verbots aufgeklärt werden.

Ohne einen interkommunalen Dialog, bei dem außer den Naturschutzverbänden selbstverständlich Vertreter der Mountainbiker und Fahrradverbände beteiligt sein müssen, kommen wir hier im Gebiet um den Krebsbach im Schurwald nicht weiter, so das Ergebnis des heutigen Ortstermins, bei dem neben zahlreichen Vertreter von Forstbehörden, dem Jagdpächter auch Vertreter des NABU aus Stuttgart und Fellbach anwesend waren. Die Stadt Stuttgart wird daher gebeten, zeitnah einen Runden Tisch zur Lösung der Probleme einzurichten und die umliegenden Gemeinden bzw. Landkreise sowie der Verbände einzuladen.

Pfeifer merkt abschließend an: „Zu warten bis das von der Stuttgarter Verwaltung geplante große, sehr umfangreiche Freizeitkonzept für den Stuttgarter Stadtwald auf dem Tisch liegt dauert es noch etliche Jahre und löst auch das Problem nicht, dass viele Trials über Gemarkungsgrenzen sich hinziehen. Das Mountainbikeproblem im Wald explodiert förmlich – wir brauchen zeitnahe Lösungen.“

Rückfragen an:

Dr. Wolf-D. Paul (Vorstandsmitglied beim BUND Kreisverband Stuttgart – 0151/287 378 83

Gerhard Pfeifer (BUND-Regionalgeschäftsführer) – 0711/61970 40                                                   

 

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