BUND Kreisverband Stuttgart

Interview mit Cornelia Würbser von the hungry palmtree

25. April 2021 | Ressourcen & Technik, Umweltfreundlich leben

Wie bereits versprochen, habe ich mit Cornelia Würbser von the hungry palmtree ein Interview geführt. So bekommst Du einen noch besseren Einblick in die Welt des nachhaltigen Shoppens in Stuttgart. The hungry palmtree ist ein süßer kleiner Laden am Hölderlinplatz für Damenmode und Accessoires. Hier erhältst du ausgewählte Teile von Marken, die Wert auf Nachhaltigkeit legen und Du wirst in einer herzlichen Atmosphäre kompetent beraten.

Quelle: the hungry palmtree

Kannst du dich bitte erstmal kurz vorstellen?

Danke, dass ich dabei sein darf. Ich komme aus München und bin seit drei Jahren in Stuttgart und vor zwei Jahren habe ich am Hölderlinplatz im Stuttgarter Westen den Concept Store the hungry palmtree eröffnet. Mein Hundekumpel Balou ist meistens mit mir im Laden. Ich bin immer neugierig auf Neues und offen, dazu zu lernen. Ich liebe es Menschen positiv zu inspirieren, zum Beispiel bewusster zu konsumieren, und so vielleicht einen kleinen Unterschied zu machen.

 

Wie kam es dazu, dass du einen Laden eröffnet hast?

Ich war eigentlich schon immer selbstständig, als Kostümbildnerin, Stylistin und Designerin. Ich wollte etwas Neues wagen und verschiedene Dinge unter einen Hut bringen: Skills dich ich gut kann, also Mode, Menschen beraten, trüffelschweinmäßig einkaufen, Trends früh erspüren und alltagstauglich umsetzen, Design, mit Menschen sein und arbeiten, selbstständig bleiben, meinen Hund mitnehmen können und vor allem dabei etwas Gutes für unsere Umwelt, Tiere und Menschen tun. Außerdem wollte ich beweisen, dass fair hergestellte und ressourcenschonende Mode und Lifestyle-Produkte auch sexy und stylisch daherkommen können, ganz ohne Öko-Vibes.

 

Wie bist du auf den Namen the hungry palmtree gekommen?

Ich habe mal ein Semester in LA gelebt und bin spätestens seitdem sehr verliebt in den tropischen Gute-Laune-Vibe, den Palmen verbreiten. Die Farbe Grün assoziiert man automatisch mit Natur, Nachhaltigkeit, plantbased, freshness, einfach mit etwas Gutem. Hungry ist der palmtree, weil er immer nach noch besseren Produkten sucht, die fair, ethisch anständig & umweltfreundlich sind. Hungry nach dem Schönsten, Besten, Fairsten, Ethischsten, Stylischsten. Hungry heißt leben wollen. Wir wollen Produkte, die alle gut leben lassen.

 

Nach welchen Kriterien wählst du die Produkte für deinen Laden aus?

Der Fokus steht bei uns auf stylischer Mode für Damen. Ich suche immer nach Labels die gute Qualität produzieren und Styles die man am besten lange sehen und tragen mag, die aber trotzdem nicht langweilig oder ökomäßig daherkommen. Selbstverständlich fair fashion, ethical fashion und fast alles vegan; einzige Ausnahme sind wenige Wollsweater im Winter, aber da nur mit nachweislich tierfreundlich hergestellter Wolle. Jedes Label hat etwas Gutes, manche entwickeln unfassbar gutsitzende detox-denim Jeans (Armedangels), recyceln (ZB Ecoalf), sind Circular brands (Mudjeans), manche produzieren die schönsten veganen Sneakers (EKN Footwear, nine to five), manche kommen aus der direkten Umgebung (ZB fremdformat), manche unterstützen Behindertenwerkstätten … ich könnte ewig so weitermachen.

 

Hast du ein Lieblingsteil?

Im Moment ist es eine kamelfarbene, knöchellange, vintage-inspired, high waist Bundfalten-Hose von unserem neuen fair fashion Label „Thinking Mu“. Aus Bio Hanf, also ein ultranachhaltiges Material, und gleichzeitig sehr weich und bequem. So schön! Ich finde eine Hose muss perfekt sitzen, sonst liegt sie im Schrank oder man zieht sie nur aus Mitleid mal an und macht sich dadurch selbst das Leben schwer. Diese ist für mich perfekt und mit Sicherheit begleitet sie mich die nächsten Jahre.

 

Wie wirkt sich der Corona Lockdown auf den Laden aus?

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt der monatelangen Umsatzeinbrüche, muss man sich seine Motivation selbst erarbeiten, was ungleich schwierig ist. Eine glückliche Kundin, die ich gut beraten konnte, die etwas gefunden hat, was sie wollte und sie jetzt doppelt happy macht, weil es fair & ethical ist und weil es ihr passt und darüber hinaus noch sensationell gut aussieht, ist einfach das Schönste. Ich bin dann auch happy. Das fehlt einem dann schon sehr.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, deine Kleidung trotzdem zu kaufen?

Mittlerweile habe ich tatsächlich den allergrößten Teil meines Sortiments in meinen Online-Shop gepflegt. Und das Sortiment ist groß: Kleidung, Schuhe und Schmuck. Das grüne Konzept geht weiter: Duftkerzen, Seifen, Kosmetik, Geschenkideen, Papeterie wie Karten, Poster, Notizbücher, Geschenkpapier, Accessoires, Deko und Home Artikel … Man kann also online kaufen und im Laden abholen (click & collect), aber natürlich versende ich auch. Auf instagram poste ich täglich. Kundinnen können mir auch via Instagram schreiben und bestellen. Ich schicke Bilder und vergebe Termine, reserviere Teile. Auf Wunsch zeige ich Teile per Video-Chat. Auch per Whatsapp bin ich für meine Kund*innen da, meine Handynummer steht mittlerweile auf der Ladentüre :-)

 

Setzt du privat auch auf Nachhaltigkeit und wenn ja in welchen Bereichen?

Ja total. Ich lebe vegan. Ich denke das macht schon mal einen Unterschied. Ich versuche so wenig wie möglich Plastik zu kaufen. So habe ich zum Beispiel eine kleine Kosmetikmanufaktur entdeckt, die fantastische Deo-Creme & Seifen in Deutschland herstellt. Die gibt es mittlerweile auch im Laden zu kaufen. Meine letzte Plastikflasche die ich gekauft habe, liegt mit Sicherheit mehrere Jahre zurück. Wasser aus dem Hahn, selbst sprudeln. Togo Flasche immer dabei. Jederzeit auffüllbar. Ich verkaufe Kleidung auf secondhand Portalen. Wegschmeißen kommt nicht in Frage. Ich versuche Dinge zu reparieren, statt neue zu kaufen. Da ich es hasse Essen weg zu werfen, bin ich sehr kreativ geworden, auch den letzten kleinen Schnipsel noch irgendwie zu verbraten. Müll trennen, aber wichtiger eigentlich, erst gar nicht soviel davon produzieren. Ich kaufe auch einfach kein in Plastik verpacktes Gemüse oder Obst mehr. Möglichst saisonal. Wenn ich mir etwas Neues kaufe, wie zum Beispiel diese Hose, ist es auch für mich etwas Besonderes. Ich versuche andere positiv zu beeinflussen. Ich zerbreche mir wirklich über alles den Kopf. Manchmal ist das anstrengend, aber mit Sicherheit ist es das wert.

 

Welche Aspekte siehst du kritisch in der Textilindustrie?

Ich finde diese flächendeckend angebotene fast fashion echt katastrophal. Durch die ultragünstigen Preise verlieren sie vor allem ihren ideellen Wert. Ein Oberteil wird ein bis zweimal getragen und dann entsorgt. Das muss man sich mal vorstellen! Baumwolle wird wasserverschwendend, pestizidverseucht angebaut, Stoff wird aufwendig produziert, jemand setzt sich da hin und näht das Ding, dann wird es verpackt und x-mal verschickt, wahrscheinlich noch in einer Plastiktüte verkauft, nur damit ich es dann doch doof finde und wieder entsorge. Es macht mich echt traurig, dass die meisten Leute nicht darüber nachdenken, dass es da einen Haken gibt. Die Arbeiter werden beschissen bezahlt und haben kein faires Auskommen, sind nicht sozial abgesichert, Pestizideinsatz, Chemikalien, die die Umwelt belasten etc. und davon auch noch viel zu viel. Manches landet direkt wieder auf dem Müll ohne dass es je ein Kunde gesehen hat. Unfassbar.

 

Wie sieht für dich eine nachhaltige Kleidungsbranche aus?

Ich fände es toll, wenn die großen Textilhersteller, die ja leider immer noch einen Großteil der Branche und des Umsatzes ausmachen, endlich mal Verantwortung übernehmen würden und ihre Profite nicht in Greenwashing Kampagnen, sondern in ein wirklich nachhaltiges Konzept und Innovationsentwicklung stecken würden. Weniger ist mehr, 2-4 Kollektionen statt 12. Die kleinen machen es vor und verausgaben sich, haben geile Konzepte und sind innovativ. Die großen schlafen da irgendwie immer noch oder schauen weg. Genauso wie die Politik.

 

Hast du Pläne für die Zukunft?

Erstmal diesen gefühlt 17. Lockdown überstehen. Immer weiterkämpfen, nicht müde werden. „Stay hungry, stay foolish” wie Steve Jobs so schön sagte.

 

Vielen Dank!

 

Das Interview führte Hannah aus dem BUND Redaktionsteam.

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb