BUND Kreisverband Stuttgart

Welttourismustag – Umweltbewusst Reisen

27. September 2020 | Energiewende, Klimawandel, Lebenswertes Stuttgart, Nachhaltigkeit

Seit Jahren boomt die internationale Tourismusbranche und erreicht mit dem Jahr 2019 seinen Höhepunkt. Die Welttourismusorganisation (UNWTO), die den Welttourismustag zu Ehren des internationalen Tourismus festlegte, geht es aber nicht um die höchste Anzahl der Reisenden – vielmehr geht es um die Auswirkungen durch Tourismus.

Foto: Pexels / Mike Andrei

Das Bereisen von Ländern ist ein zentraler Teil des modernen Alltags geworden, welcher in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Im vergangenen Jahr lag das weltweite Tourismusaufkommen bei knapp 1,5 Milliarden internationalen Reiseankünften und brach damit alle Rekorde. Ob es der Kurztrip nach Amsterdam, die dreiwöchige Reise nach Asien oder die sechsmonatige Bustour mit dem ausgebauten Van durch Osteuropa ist – Reisen ist beliebt und zum Inbegriff der Freiheit und des Ausbruchs aus dem Alltag geworden.

Der Welttourismustag am 27. September 2020 soll wieder auf die positiven Auswirkungen des Tourismus aufmerksam machen: Tourist*innen und Reisende bringt Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen, Tourismus schafft einen internationalen Austausch und ermöglicht soziale, politische, wirtschaftliche Beziehungen und Integration. Doch auch die negativen Seiten des Tourismus werden von der UNWTO beleuchtet. Leider kommt die Umwelt in der Tourismuspolitik oft zu kurz und spielt nur eine untergeordnete Rolle, die sich in den letzten Jahren leider bemerkbar gemacht hat.

Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und Greta Thunbergs Segelreise nach Amerika kam es zu einem ersten Umdenken in der Branche. Wenn schon ein langer Trip mit dem Auto, dann zumindest in Kombination mit einer umweltfreundlichen Wandertour und Camping statt dem Deluxe-Hotel mit All-inclusive Buffet. Die emissionssparende und nachhaltige Verhaltungsweise spielt eine immer zentralere Rolle bei Reise-Interessierten und findet spätestens seit März 2020 einen noch höheren Anklang in Deutschland.

Anstelle der Fernreise oder dem Wochenendausflug mit dem Flieger sind seitdem der Ausflug in das bayrische Hinterland, die Ostseeinseln oder die Sächsische Schweiz zum Hotspot der Tourist*innen aus dem Inland geworden. Mit neuen Angeboten einiger öffentlicher Verkehrsnetze, Anbieter (z.B. Stadtmobil) und Städte kann man sich nun auch günstiger und mit gutem Gewissen nachhaltiger auf den Weg zu seinem Reiseziel begeben oder vor Ort die Umgebung erkunden. Am Reiseziel oder in der eigenen Stadt wird zudem der E-Roller und E-Bike Verleih weiter ausgebaut, um auch die Zweiradkultur für noch mehr Tourist*innen schmackhaft zu machen.

Um sich den genauen Emissionsausgleich seiner Reise zu berechnen, kann man beispielsweise den CO₂ -Rechner des Tourismusverband Uckermark nutzen.

Ein Beispiel: Für einen zweiwöchigen Wanderurlaub in der Natur mit dem Zug von Stuttgart bis zum Tegernsee im Süden Bayerns und Unterkunft in einer Ferienwohnung zu zweit verbraucht man 0,35 Tonnen CO₂-Emissionen. Im Vergleich würde ein 14-tägiger all-inclusive Strandurlaub am Mittelmeer 0,8 t CO₂ (für 2 Personen), ein Flug von Berlin nach New York und zurück sogar 4,8 t CO₂ je zwei Personen verbrauchen. "Der durchschnittliche CO₂-Ausstoß eines Deutschen liegt bei etwa 11 t pro Jahr – für das Klima "noch verträglich" wären 3 t." (Quelle: Tourismus Uckermark)

Abgesehen von den negativen Auswirkungen des internationalen Tourismusrückgangs im Jahr 2020, sieht die UNWTO auch einen erheblichen positiven Effekt auf die Tourismuswirtschaft in Deutschland durch die Pandemie voraus. Der Ausbau des Inlandtourismus und der damit verbundenen nachhaltigen Entwicklung in der Reisebranche rückt in den Mittelpunkt. Gemäß dem Motto des Welttourimustags 2020 „Tourism and Rural Development – Tourismus und Ländliche Entwicklung“ werden ländliche Regionen im eigenen Land wieder ein interessantes Reiseziel für deutsche Urlauber und der sogenannte globale Kodex für Ethik im Tourismus kann eingehalten werden. Dabei geht es um die Maximierung von positiven sozioökonomischen Tourismusauswirkungen und die Reduzierung von möglichen Negativeffekten.

Der Welttourismustag am 27. September soll für eine bewussteren Umgang beim Reisen im eigenen und in anderen Ländern sensibilisieren. Diesem Ziel ist man aufgrund der Umstände und einiger positiven Entwicklungen in diesem Jahr ein Schritt nähergekommen. Wer also auf die Fahrt mit dem Kreuzfahrtschiff oder den Tagestrip nach Venedig verzichtet hat, hat alles richtig gemacht und sich ganz an das Motto des Welttourismustags 2019 gehalten, der da lautet: A Better Future For All.

 

Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37123/umfrage/weltweites-tourismusaufkommen-nach-reiseankuenften-seit-1950/

https://www.tourismus-uckermark.de/die-uckermark/co2-rechner.html

https://www.un.org/en/observances/tourism-day

https://www.tourism-watch.de/de/schwerpunkt/globaler-ethik-kodex-fuer-den-tourismus-der-welttourismus-organisation-wto

https://www.unwto.org/unwto-un-system

https://www.unwto.org/news/world-tourism-day-2020-global-community-unites-to-celebrate-tourism-and-rural-development

 

 

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