BUND Kreisverband Stuttgart

Weniger ist Mehr – Minimalismus auf dem Vormarsch

24. Mai 2022 | Nachhaltigkeit, Umweltfreundlich leben

Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Dennoch gibt es einen Trend hin zum einfachen Leben. Woran liegt das? Welche Rolle spielt Minimalismus in unserer Konsumgesellschaft? Ein paar Gedanken und Fakten dazu möchte ich mit Dir teilen.

Quelle: Ron Lach; https://www.pexels.com/de-de/foto/kleider-stoff-textil-haufen-8453415/

Ist mehr wirklich mehr?

Jährlich neue Trends in der Modeindustrie, ein boomendes Geschäft im Bereich Wohnen und Heimwerkern, das durchgängige Angebot von nicht-saisonalem Obst und Gemüse in den Lebensmittelgeschäften, Lieferservices und Online-Shops, die fast rund um die Uhr die Verfügbarkeit von Konsumgütern gewährleisten. Das sind nur wenige Beispiele, die zeigen, dass wir für Geld jederzeit alles haben können. Daran ist grundsätzlich erst einmal nichts verkehrt. Es zeigt, dass wir in einem funktionierenden Wirtschaftssystem leben. Die Grundbedürfnisse der meisten Menschen sind abgedeckt und wir profitieren von den Vorteilen der Globalisierung und des Kapitalismus‘, z. B. dem freien Handel, dem Zugang zu einer Vielzahl von Waren und Dienstleistungen, der Förderung von Innovation und Chancengleichheit sowie individuellen und gesellschaftlichen Freiheiten.

Dieses kollektive Wohlergehen trägt dazu bei, dass die Menschen insbesondere in Industrienationen sehr zufrieden sind. Dennoch gibt es eine Gegenbewegung zur Wohlstandskultur. Warum ist das so? Ganz einfach gesagt: Neben den positiven Effekten haben der globale Handel und die kapitalistischen Strukturen auch Schattenseiten. Trotz theoretischer Chancengleichheit werden die sozioökonomischen Unterschiede in unserer Gesellschaft immer größer. Die Natur und unser Ökosystem werden überlastet und Umweltkatastrophen nehmen zu. Das Überangebot und die Immer-Verfügbarkeit führen zu Konsumwahn, Stress und materieller Belastung. Mehr ist also nicht mehr, sondern eigentlich zu viel. Unsere Lebensqualität kann nicht unendlich steigen.

Bewusster Verzicht

Als Antwort darauf tendieren viele Menschen zunehmend zum bewussten Verzicht, auch bekannt als Minimalismus. Diese Lebensphilosophie ist nicht neu. Bereits in der Antike gab es gesellschaftliche Tendenzen hin zu einem einfachen, naturgemäßeren Leben. Die aktuelle Ausprägung des Minimalismus‘ entstand Anfang des 21. Jahrhunderts in den USA und zeigt, dass Menschen jenseits der heutigen Konsumgesellschaft wieder Nähe zu den eigenen grundlegenden Bedürfnissen suchen. Im Fokus stehen soziale Kontakte, ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, Ausmisten und Einschränkung in den Bereichen Mode, Wohnen, Ernährung und Fortbewegung sowie Selbstverwirklichung.

Einige Beispiele wirst Du wahrscheinlich kennen. Die Ablehnung von Fast Fashion und die Ausrichtung auf nachhaltige und saisonübergreifende Kleidung sind Resultate der Abkehr vom Überangebot. Der Wunsch nach Ordnung und Klarheit unterstützt den Trend hin zu minimalistischer Inneneinrichtung. Steigende Miet- und Immobilienpreise haben das ‚Tiny House Movement‘ begünstigt, eine Bewegung, bei der mobile Häuser mit minimaler Wohnfläche als Wohnort gewählt werden. Auch die ‚Sharing Economy‘ ist ein Ergebnis des Minimalismus – dazu zählen Angebote wie Couchsurfing und AirBnB, Car Sharing, Co-Working Büros, aber auch Food Sharing.

Das Wesentliche

Vor allem soll es bei einem minimalistischen Lebensstil darum gehen, Überflüssiges loszuwerden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.  Das spart Platz, Geld, Zeit und schont darüber hinaus auch Ressourcen. Minimalismus ist also ebenfalls eine nachhaltige Entscheidung.

Auch ich hege den Wunsch, durch die Anpassung meines Lebensstils und bewusstes Konsumverhalten sowohl mein eigenes Wohlbefinden zu steigern als auch einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Eines darf aber nicht vergessen werden: Die bewusste Entscheidung für einen minimalistischen Lebensstil ist auch ein Privileg, das nur jenen vorbehalten ist, die ohnehin von unserer Konsumgesellschaft profitieren. Daher sollte Minimalismus aus meiner Sicht vor allem auch Dankbarkeit und Wertschätzung in den Fokus rücken. Die Herausforderung liegt also darin, zu schätzen was man hat, statt immer mehr zu wollen. Ich werde das üben – Du auch?

Quellen:

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/minimalismus-besser-statt-mehr/

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/23950-rtkl-kein-neuer-trend-weniger-war-schon-immer-mehr-eine-kurze-geschichte

Zur Autorin: Carolin Quaas engagiert sich im Redaktionsteam des BUND Stuttgart. Sie probiert gern neue vegane oder vegetarische Rezepte aus, erkundet Stuttgart und Umgebung am liebsten zu Fuß und versucht ihren Alltag so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

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