BUND Kreisverband Stuttgart
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Aktuelle Radverkehrsplanungen zur Lenzhalde

16. Juni 2021 | Mobilität

Gemeinsame Stellungnahme von ADFC und BUND, jeweils Kreisverband Stuttgart

Sehr geehrte Damen und Herren im Bezirksbeirat Stuttgart-Nord,

wir möchten uns zunächst bei Ihnen bedanken, dass Sie im Zusammenhang mit Umbau der Knotenpunkte der Lenzhalde mit der Robert-Bosch-Straße und an der Doggenburg eingefordert haben, dass dort auch eine Radverkehrsverbindung eingerichtet wird.

Allerdings sind wir etwas verwundert darüber, dass anscheinend viele von Ihnen nun einen Rückzieher machen, wenn dabei einige Stellplätze wegfallen. Anstelle eines Radfahrstreifens sollte demnach nur ein Schutzstreifen eingerichtet werden. Wir bitten Sie, einer qualitativ hochwertigen Radverkehrsplanung zuzustimmen. Dazu die folgenden Erläuterungen:

1. Warum Schutzstreifen ungeeignet sind

Schutzstreifen (Abtrennung mittels gestrichelter Linie, er darf von Kfz mitbenutzt werden, wenn zum Beispiel ein breites Fahrzeug entgegenkommt) bieten Radfahrer*innen keinen echten "Schutz". Sie zeigen zwar den Autofahrer*innen, dass hier mit Radfahrer*innen zu rechnen ist und sorgen möglicherweise für eine leichte Entschleunigung des Kfz-Verkehrs, aber viele Radfahrer*innen fühlen sich auf solchen Streifen sehr unsicher. Das liegt zum einen daran, dass viele Autofahrer*innen solche Streifen überhaupt nicht respektieren und ihn auch dann mitbenutzen, wenn überhaupt kein Gegenverkehr in Sicht ist. Zum anderen sind die Überholabstände oft deutlich niedriger als die vorgeschriebenen 1,50 m. Überdies haben sie für den Busverkehr den Nachteil, dass Radfahrer*innen bei einer solchen "Lösung" schlechter zu überholen sind.

2. Wie sieht eine qualitativ hochwertige Radverkehrsführung aus?

Am sichersten fühlen sich Radfahrer*innen auf baulich getrennten Wegen. Die bauliche Trennung muss kein Bordstein sein, es sind auch provisorische Mittel wie Schwellen oder Minibaken geeignet; diese können auch nachträglich angebracht werden. Das nennt sich dann "geschützter Radfahrstreifen" oder "protected bike lane" (PBL). Das Sicherheitsgefühl ist entscheidend dafür, wie viele Menschen das Fahrrad nutzen. Außerdem bietet die bauliche Trennung einen gewissen Schutz vor Falschparkern. Die Breite des Streifens sollte mindestens 2,50 m betragen, damit Überholvorgänge zwischen Radfahrer*innen möglich sind. Für die Abtrennung zur Fahrbahn sollten zusätzlich 0,50 m eingeplant werden, so dass 3,0 m erforderlich sind. Dazu müssten entweder sämtliche Stellplätze (bis auf ca. sieben) entfallen oder die Fahrbahn wäre im oberen (geraden) Bereich nur noch 6,0 m breit, was laut Stadtverwaltung für eine Strecke mit Busverkehr zu knapp ist. Eine andere gute (aber halt nicht "sehr gute") Lösung ist ein Radfahrstreifen ohne bauliche Trennung, der aber möglichst zusätzlich mit einem Sicherheitstrennstreifen zum Kfz-Verkehr ausgestattet sein sollte. Das ist die Lösung, die Ihnen von der Stadtverwaltung vorgeschlagen wurde und bei der ca. 40 Stellplätze einer anderen Verwendung zugeführt werden.

3. Ist das Parkplatz-Argument wirklich so entscheidend?

Abgesehen davon, dass es viele Argumente gibt, warum es nicht unbedingt eine öffentliche Aufgabe sein muss, Platz für das Abstellen von Privateigentum bereitzuhalten, ist an dieser Stelle das Angebot an Stellplätzen weit mehr als ausreichend. An einem Abend unter der Woche (genauer: es war der 20. Mai, der Donnerstag vor Pfingsten, er lag in einer vollen Fünf-Tage-Arbeitswoche außerhalb der Ferien und sollte daher repräsentativ sein) zählten wir die Stellplätze in dem betroffenen Abschnitt und in der näheren Umgebung. Die Zählung erfolgte nach 22 Uhr, also während der damals noch gültigen Teil-Ausgangssperre für Ungeimpfte. Das sollte der für die Bewohner*innen entscheidende Zeitraum sein. Trotz der großen Bausstelle unterhalb der Doggenburg und einer weiteren Baustelle am oberen Herdweg war das Ergebnis, dass bei 218 gezählten (teils geschätzten) Stellplätzen 103 frei waren. Es wurden nur zwei Falschparker gezählt. Die Details sind hier zusammengestellt:

Stellungnahme Lenzhalde

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