BUND Pressemitteilung
Stuttgart, 8.6.2026
Schwarzbau im Glemswald? BUND lehnt Ausbau Bergheimer Steige ab
Tiefbauamt plant breitere Straße ohne Genehmigung, umgeht den Gemeinderat und ignoriert die Umweltverbände
Die Bergheimer Steige verbindet Weilimdorf mit Vaihingen, Stuttgart-West/Nord, Botnang und Leonberg. Sie ist eine kurvenreiche Straße im geschützten Glemswald, die zu schmal für den Schwerlastverkehr ist und die Wohngebiete Bergheim, Wolfbusch und Weilimdorf daher wirksam schützt. Das Stuttgarter Tiefbauamt möchte den mittleren Abschnitt im Herbst verbreitern, deklariert es als Sanierung und ist der Meinung, dass das 1,5-Millionen-Projekt in Zeiten von Geldknappheit keiner Zustimmung im Gemeinderat bedarf. Am 19. Mai 2026 informierte die Verwaltung den Technikausschuss, der nach kurzer Diskussion die Information der Verwaltung zur Kenntnis nahm.
Wenn das Tiefbauamt die Straße im Bestand sanieren würde, wäre dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. Aber das Vorhaben ist keine Sanierung. Auf 320 Metern Länge wird die Fahrbahn dauerhaft um bis zu 1,40 Meter verbreitert. Hangsicherungen und Böschungsabträge erfordern Eingriffe in die sensiblen Schutzgebiete von im Schnitt 2,70 Meter Breite. Zudem ist das nur der Einstieg. Die gesamte Bergheimer Steige ist sanierungsbedürftig und soll auf Normmaße ausgebaut werden, damit das chronisch überlastete Leonberger Autobahndreieck tags und nachts vom Schwerverkehr mautfrei umfahren werden kann.
Wer eine Straße so verändert, braucht politische Beschlüsse und ein ordentliches Genehmigungsverfahren. Zunächst entscheidet der Gemeinderat, ob ein Ausbau gewollt ist. Dann wendet sich das Tiefbauamt an das Regierungspräsidium, das prüft, ob erhebliche Eingriffe in die Natur sowie Luft- und Lärmbelastung ein Planfeststellungsverfahren notwendig macht. Umweltverbände werden angehört. „Nichts davon ist geschehen. Was das Tiefbauamt hier plant, ist ein Schwarzbau im Solitudewald", sagt Thomas Baur, verkehrspolitischer Sprecher des BUND Stuttgart.
Die Stadt begründet die Maßnahme mit der Beseitigung eines Unfallschwerpunkts. Der BUND zweifelt daran, dass dafür ein Straßenausbau erforderlich ist. Überwachtes Tempo 30 im Kurvenbereich und automatische Breitenkontrollen würden die Unfallgefahr wirksam senken, ohne dass dabei Waldbiotope und –böden zerstört und aufwändige Ausgleichsmaßnahmen notwendig werden. „Wer die Bergheimer Steige verbreitert, öffnet die Tür für Lkw-Kolonnen durch Weilimdorf“, warnt Baur und sieht in der Gesamtbilanz keinen Sicherheitsgewinn, der den Ausbau rechtfertigen würde.
Bemerkenswert ist auch, mit welcher Chuzpe das Tiefbauamt den politischen Willen der Gemeinderatsmehrheit ignoriert. In den Haushaltsberatungen 2022/2023 und 2024/2025 wurden Mittel für den Ausbau abgelehnt. Im Gemeinderatsantrag „Bergheimer Steige sanieren, aber nicht ausbauen“ von 2024 ist die Sanierung im Bestand vorgegeben.
Pikant ist auch, wie das Projekt finanziert werden soll. Das Regierungspräsidium fördert die Maßnahme mit rund 893.000 Euro unter anderem weil die Straße „langfristig leistungsfähiger“ wird. Das ist ein klares Indiz, dass künftig auf der Bergheimer Steige Lkw fahren sollen. Wenn es stimmen würde, was das Tiefbauamt sagt, dass es sich um bloße Instandhaltung handeln würde, gäbe es keine Zuschüsse, da nur Investitionen gefördert werden. „Hier ist ein Widerspruch“, stellt Baur fest, denn wenn die Maßnahme einen Investitionsanteil hat, dann braucht es einen Haushaltstitel, Gemeinderatsbeschluss und ein Genehmigungsverfahren.
„Die öko-soziale Gemeinderatsmehrheit muss jetzt handeln", fordert BUND-Sprecherin Clarissa Seitz in einem Schreiben an die Fraktionen, die keinen Ausbau wollen. "Der Gemeinderat sollte einen Feststellungsbeschluss fassen, der klarstellt, dass diese Kenntnisnahme keine Zustimmung für ein Ausbauprojekt ist. Und er sollte die Verwaltung auffordern, eine ordentliche Beschlussvorlage vorzulegen - mit Kostenschätzung, Verkehrsuntersuchung, Umweltfolgenabschätzung und einer klaren Aussage, ob das Durchfahrtsverbot nach dem Ausbau noch gilt."
"Wir sind gesprächsbereit", betont Clarissa Seitz. "Aber das heißt nicht, dass wir tatenlos zusehen, wenn die Rechte der Bürger, Umweltverbände sowie Natur und Umwelt ignoriert werden." Der Umweltverband fordert Oberbürgermeister Nopper in einem Brief auf, das Verfahren in geordnete Bahnen zu lenken und solange nicht zu bauen.
Clarissa Seitz
BUND Kreisverband Stuttgart
Kreisvorsitzende
Thomas Baur
Verkehrspolitischer Sprecher