BUND Kreisverband Stuttgart

Aufräumen im Kessel - Das Cleanup Network in Stuttgart

23. Januar 2021 | BUND, Flüsse & Gewässer, Lebenswertes Stuttgart, Umweltgifte, Chemie

Weggeworfene Zigarettenstummel auf dem Gehweg, herumfliegende Plastiktüten und benutze Kaffeebecher auf der Grünfläche im Schlossgarten – wer kennt ihn nicht, den Müll auf öffentlichen Anlagen und Wegen, über den man beim Vorbeigehen gerne hinwegsieht. Eine Stuttgarter Initiative des Cleanup Networks hat es sich zur Aufgabe gemacht nicht weg zu schauen, sondern wegzuwerfen.

Foto: Cleanup Network

Eine Kippe kann ca. 40 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen, egal ob sie in den Gulli geschnippt oder im Abfluss runtergespült wird. Auch nach der Reinigung durch die städtische Kläranlage bleiben Schadstoffe im Wasser, die am Ende bei uns im Körper landen können. Eine unbefriedigende Tatsache, die das Cleanup Network auch in Stuttgart dazu antreibt, den wilden Müll von anderen Schmutzfinken selbst aufzuräumen.

Das Cleanup Network, welches über 90 Umweltschutzorganisationen in vielen deutschen Städten in einem Netzwerk vereint, setzt sich aus sieben aktiven Mitgliedern zusammen und wurde in Stuttgart gegründet. Wir haben uns mit dem Gründer und Initiator Thomas Venugopal über das Cleanup Network und die Community in Stuttgart, unterhalten.

Seit 2018 räumen Ehrenamtliche in der Landeshauptstadt bei Cleanup Aktionen an ihren freien Tagen die Stadt auf und entsorgen den Müll ordnungsgemäß, den andere produziert und in der Öffentlichkeit entsorgt haben. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Stadtreinigung, aber die kommt nicht mehr hinterher. Unsachgemäßes Entsorgen, wie das eines weggeworfenen Zigarettenstummels, wird in Stuttgart mittlerweile mit einem Bußgeld in Höhe von 103,50 Euro bestraft. Allerdings gibt es zu wenige Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes, die das auf den Straßen kontrollieren. Ein Beispiel für das Ausmaß des Problems: An einer Aktion der Stuttgarter Community des Networks im Sommer 2020 wurden auf dem Marienplatz circa 22.000 Kippen eingesammelt.

Die Community in Stuttgart setzt sich aus knapp 780 ehrenamtlichen Helfer*innen zusammen, die sich an den ein bis zwei Aktionen pro Monat in unterschiedlichen Stadtteilen oder Randbezirken beteiligen. Während der Corona-Pandemie seit Anfang 2020 konnten allerdings deutlich weniger Aktionen umgesetzt werden. 

Und das Interesse für das Cleanup Network und die Community in Stuttgart wächst, vor allem seit es die Offline-Kampagne mit Plakaten an den U-Bahnstationen mit Aufschriften wie „22.000 Tonnen Rohöl jährlich“ oder „Zigarettenfilter bestehen aus Kunststoff“ gibt. Damit hat das Cleanup Network das öffentliche Bewusstsein für die Müllproduktion sicherlich einen großen Schritt vorangebracht und bei Thomas Venugopal für ein volles Postfach gesorgt.

Die Cleanup Aktionen sollen auch die Aufmerksamkeit bei Passant*innen erregen und gleichzeitig die Achtsamkeit der KonsumentInnen beeinflussen. „Sich einfach vor einer Konsumentscheidung zu überlegen, ob man das Produkt wirklich benötigt, nicht doch ausleihen kann oder es eine nachhaltigere Alternative gibt, führt zu einem bewussteren Konsum. Würden mehr Menschen ganz allgemein bewusster konsumieren, wären wir einen großen Schritt weiter“, meint Venugopal.

In Stuttgart möchte das Cleanup Network in erster Linie eine saubere Umgebung schaffen, auch wenn es gerne noch weiter gehen würde. Als Vorbild fungiert da beispielweise das Projekt „cleanffm“, das von der Stabstelle für Sauberkeit der Stadt Frankfurt am Main ins Leben gerufen wurde. In der zugehörigen Initiative arbeiten zwar auch Ehrenamtliche mit, doch wird sie stark subventioniert und hat damit mehr Möglichkeiten, um eine höhere Reichweite zu erlangen. Ihr Ziel ist in Zukunft weniger öffentliche Gelder für die städtische Sauberkeit und das Erscheinungsbild der Stadt auszugeben, damit mehr für neue Bäume oder nachhaltige Projekte zur Verfügung stehen. „Dieses Bekenntnis zum Umweltschutz wünsche ich mir auch für Stuttgart“, sagt Venugopal.

Wer selbst als Ehrenamtliche*r an einer Aktion des Cleanup Networks teilnehmen möchte, kann sich auf Facebook und Instagram informieren oder sich alle Infos per Newsletter zukommen lassen. 

 

Interessante Links zum Thema:
https://cleanupnetwork.com/
http://www.cleanffm.de
https://muell-weg.de/
https://youtu.be/FUyejuwg-ik
(Aktion mit dem Ruderclub Bad Cannstatt, Wanna SUP und Neckarfreude)

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