BUND Kreisverband Stuttgart

Es gibt eine hohe Akzeptanz für Maßnahmen zum Klima- und Naturschutz – jetzt ist es an unseren Politiker*innen, zu handeln

18. Januar 2021 | BUND, Bundestagswahl, Energiewende, Fossil Free, Klimawandel, Lebenswertes Stuttgart, Nachhaltigkeit, Naturschutz

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des BUND hat gezeigt, dass die Mehrheit der Deutschen ihre Verantwortung für den Klimawandel, das Artensterben und die Umweltverschmutzung anerkennt und bereit ist, Konsequenzen zu ziehen: 86 Prozent der Deutschen sind zu deutlichen Einschränkungen ihres Lebensstils bereit, um das Klima zu schützen. Rund 85 Prozent würden dies tun, um das Artensterben zu stoppen, und 87 Prozent für den Kampf gegen die Umweltverschmutzung [2]

[1] Die ökologischen und sozialen Probleme, die unser Lebensstil verursacht, lassen sich nicht durch Wegschauen lösen, sondern wir müssen die Scheuklappen abnehmen und entschlossen Handeln.

Doch wie sehr müssten wir unseren Lebensstil tatsächlich ändern?

Der Erdüberlastungstag ist der Tag, an dem der jährliche Bedarf der Menschheit an den Ressourcen der Natur die Menge übersteigt, die die Ökosysteme der Erde im ganzen Jahr regenerieren können. Im Jahr 2019 lag er bezogen auf die gesamte Welt Ende Juli und bezogen auf Deutschland sogar schon Anfang Mai [3]. Das bedeutet, dass wir in Deutschland unseren Ressourcenverbrauch ungefähr um zwei Drittel reduzieren müssen, um nachhaltig zu leben.

Im Jahr 2018 haben wir in Deutschland insgesamt 2499 TWh an Energie verbraucht [4]. Nach einer Schätzung des Bundesumweltministeriums aus dem Jahr 2019 könnten die in Deutschland verfügbaren erneuerbaren Energiequellen langfristig bis zu 1490 TWh pro Jahr an Energie liefern [5]. Folglich müssten wir unseren Energieverbrauch um mindestens 40 Prozent reduzieren, wenn wir keine Energieträger importieren wollten.

Was die Einsparung von importierten Rohstoffen wie Metallen und seltenen Erden betrifft, müssten wir erstens Produkte wie Kraftfahrzeuge, Handys, IT-Produkte und Maschinen länger nutzen und zweitens diese Produkte konsequent recyceln. Kunststoffprodukte, welche zu einem großen Teil aus importierten fossilen Rohstoffen erzeugt werden, müssten vermieden werden und, wo dies nicht möglich ist, in großem Umfang recycelt werden.

40 Prozent weniger Energie verbrauchen und Produkte merklich länger nutzen – das hieße, wir müssten unseren Lebensstandard deutlich senken und unser Konsumverhalten stark verändern.

Die Alternative besteht darin, fehlende Energieträger und Rohstoffe wie gehabt zu importieren. Im Sinne des Klima-, Arten- und Naturschutzes ist dies jedoch nur dann nachhaltig, wenn die Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen erfolgt und der Umweltschutz bei der Rohstoffgewinnung entsprechend den in Deutschland gültigen Vorgaben gewährleistet ist.

Egal, ob einer der beiden Lösungsansätze in Reinform oder eine Mischung aus beiden angestrebt wird, die notwendigen politischen Weichenstellungen müssen jetzt vorgenommen werden!

Doch dies geschieht nicht. Die politisch Verantwortlichen ignorieren seit Jahrzehnten die Warnungen und Empfehlungen von Wissenschaftler*innen: Schon die vom Club of Rome im Jahr 1972 veröffentlichte Studie „The Limits to Growth“ [6] führte zu keiner umfassenden Änderung unseres Wirtschaftens. Auch zahlreiche andere wissenschaftliche Arbeiten bis hin zu Prof. Dr. Maja Göpels Appell „Unsere Welt neu denken“ [7], den die Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Transformationsforschung im vergangenen Jahr veröffentlichte, zog keine grundsätzliche Erneuerung unseres Wirtschaftssystems und unseres Umgangs mit der Umwelt nach sich.

Eigentlich müssten die ökologischen und sozialen Probleme, die unser Lebensstil weltweit verursacht, von den politisch Verantwortlichen umfänglich angegangen werden. Stattdessen werden Teilaspekte erschöpfend diskutiert, zum Beispiel, ob Autos und andere Kraftfahrzeuge zukünftig mithilfe von Batterien oder Wasserstoff angetrieben werden sollen. Eine ähnlich groß angelegte öffentliche Diskussion darüber, wo und wie der dafür erforderliche Strom oder Wasserstoff in ausreichender Menge erzeugt werden soll, wie er transportiert werden soll und was wir vielleicht doch an unserem Lebensstil ändern müssen, findet hingegen nicht statt – als ob der Strom einfach aus der Steckdose käme, der Wasserstoff vom Himmel falle und alle ökologischen und sozialen Probleme damit erledigt seien.

So bleibt es bis auf weiteres an uns Verbraucher*innen, selbst zu entscheiden, welche Maßnahmen wir zum Wohl des Klima-, Arten- und Naturschutzes treffen möchten. Die Summe all unserer individuellen Bemühungen wird sicherlich etwas bewirken. Dennoch wäre es wirksamer, einer gemeinsamen Strategie für den notwendigen Wandel zu folgen.

Wenn schon ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland dazu bereit ist, den eigenen Lebensstil zu ändern, dann ist es an den politisch Verantwortlichen, sich über die nötigen Maßnahmen zu einigen, diese zu beschließen und zu erklären. Die tatsächliche Situation schönzureden und der heutigen Jugend sowie den nachfolgenden Generationen sehenden Auges massive ökologische und soziale Probleme zu hinterlassen, darf kein Ansatz sein.

Deshalb ist es so wichtig, dass jede*r unsere Politiker*innen auffordert, die anstehenden Herausforderungen endlich anzugehen – auch hier in Stuttgart!

[1] pixabay.com/de/photos/pferde-tourismus-pferdek%C3%B6pfe-1268691/

[2]       www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/bund-umfrage-zu-natur-und-umweltschutz-grosse-mehrheit-der-deutschen-zu-deutlichen-aenderungen-des-eigenen-lebensstils-bereit-wahljahr-muss-weichen-fuer-verkehrs-agrar-und-ressourcenwende-stellen/

[3]       www.overshootday.org/newsroom/press-release-june-2019-german/

[4]       www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren/

[5]       www.weltderphysik.de/gebiet/technik/energie/ueberblick/zukuenftige-potenziale/

[6]       www.donellameadows.org/wp-content/userfiles/Limits-to-Growth-digital-scan-version.pdf

[7]       Maja Göpel: Unsere Welt neu denken, Ullstein Buchverlage, Berlin 2020, ISBN: 978-3-550-20079-3

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