BUND Kreisverband Stuttgart

Interview zum Internationalen Frauentag mit Carina vom BUND

08. März 2021

Anlässlich des Weltfrauentags möchten wir Euch gerne eine sehr engagierte Frau vorstellen. Obwohl Carina erst relativ neu beim BUND KV Stuttgart ist, übernimmt sie bereits vielfältige Aufgaben im Rahmen gleich mehrerer Ämter. Wie diese aussehen und welche Einblicke die 28-Jährige sonst über ihre Tätigkeiten geben kann, hat sie mir ebenso wie ihre Meinungen rund um den Internationalen Frauentag in einem digitalen Gespräch verraten. Aber lest selbst!

Hallo Carina, wie schön, dass du dir die Zeit nimmst. Erzähl doch mal, wie du hier nach Stuttgart gekommen bist.

Sehr gerne! Ich bin in Ditzingen, also ganz in der Nähe von Stuttgart, aufgewachsen und wohne jetzt seit ungefähr einem Jahr wieder in Stuttgart. Nach dem Abi bin ich fürs Studium nach Konstanz an den schönen Bodensee gezogen und habe dann im Dezember 2019 meinen ersten Job hier in Stuttgart begonnen. Dass ich wieder hier lande, war zwar eigentlich gar nicht so mein Plan, aber jetzt fühle ich mich sehr wohl. Hauptberuflich bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landeslabor des Landesgesundheitsamts tätig.

Was hat dich zu einem Engagement beim BUND bewegt?

Als ich neu nach Stuttgart gezogen bin, war für mich klar, dass ich mich gesellschaftlich engagieren möchte. Zum einen wollte ich neue Leute kennen lernen und mich so in der „neuen“ Stadt integrieren. Zum anderen finde ich es einfach schön und wichtig, für Dinge, die mir persönlich am Herzen liegen, aktiv zu werden und dadurch etwas bewegen zu können. Ich war bereits während meines Studiums jahrelang ehrenamtlich bei einer Gruppe aktiv, die einen internationalen Praktikantenaustausch im MINT-Bereich (Anmerkung d. Redaktion: Mathematik, Information, Naturwissenschaft und Technik) ermöglicht und betreut hat, was für mich total bereichernd und lehrreich war. Da mir Umweltschutz und Nachhaltigkeit im eigenen Leben in letzter Zeit immer wichtiger wurden und ich mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt habe, lag für mich die Ortsgruppe des BUND als einer der größten Umweltverbände nahe.

Wie lange bist du schon beim BUND?

Noch gar nicht so lange. Ich hatte letztes Jahr Ende August mein Kennenlern-Gespräch mit unserer ehemaligen Geschäftsführerin Silvia und bin dann kurz darauf sowohl Mitglied geworden als auch ehrenamtlich eingestiegen. Also ungefähr ein halbes Jahr inzwischen.

 

Was sind deine Aufgaben beim BUND?

Also zunächst einmal bin ich sehr spontan direkt im September 2020 in den Vorstand gewählt worden, da muss ich jetzt kurz eine Lanze für Silvia brechen. Gleich in unserem ersten Gespräch hat sie gefragt, ob ein Vorstandsamt nicht was für mich wäre, weil ich bereits von Beginn an wirklich motiviert war, mich für mehr Umweltschutz in Stuttgart einzusetzen und da auch tiefer einzusteigen. Ich bin sehr froh, diese Möglichkeit direkt zum Einstieg erhalten zu haben! Wir im Vorstand treffen uns einmal im Monat, um uns auszutauschen, über Dinge (z. B. Finanzplanung, Mitwirkung bei Projekten etc.) abzustimmen und wichtige Themen (z. T. auch die Geschäftsstelle betreffend) zu besprechen.  Im Rahmen meines Vorstandsamts bin ich außerdem zur Ehrenamtskoordinatorin ernannt worden und übernehme jetzt den Erstkontakt zu potentiell neuen Aktiven. Das heißt, aktuell treffe ich mich aufgrund der Corona-Situation zu Zoom-Calls oder Telefonaten mit Menschen, die sich bei uns einbringen wollen, zu einem Kennenlernen, bei dem wir dann gemeinsam überlegen, in welchem Bereich uns die Person unterstützen könnte. Darüber hinaus bin ich noch im Plastikseminar-Team. Da erstellen wir gerade eine Online-Version und ich werde am 23. März gemeinsam mit einem anderen Aktiven das erste Online-Plastikseminar halten. Und dann bin ich noch im November zum Redaktionsteam gestoßen und schreibe ab und an auch mal einen Artikel bzw. koordiniere ganz aktuell unsere #Plastikfasten2021-Challenge.

Was gefällt dir am besten an deinem Engagement beim BUND?

Ich finde es super, durch die Vorstandsarbeit mitzubekommen, was alles so in Stuttgart im Umweltbereich läuft und konkret mitzuentscheiden, was wir im Kreisverband angehen wollen. Durch die Mitarbeit in den Untergruppen mache ich aber gleichzeitig auch ganz praktische Dinge, wie eben den Workshop zu halten oder zu einem Thema zu recherchieren. Zum Glück ist das in Lockdown-Zeiten auch von zuhause aus möglich und das BUND-Engagement gibt mir in diesen Zeiten eine gewisse Sinnhaftigkeit. Und gerade jetzt ist es natürlich ungemein schön, durch die ganzen Neu-Aktiven-Gespräche trotz Pandemie mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen und ich freue mich schon darauf, hoffentlich einige davon dann auch irgendwann mal live zu treffen!

Wie hast du dein eigenes Leben seit Beginn deiner Tätigkeit beim BUND geändert?

Auf viele Dinge habe ich auch schon vorher geachtet, z. B. unnötiges Plastik zu vermeiden, regional und saisonal einzukaufen, solche Sachen. Aber ich denke, ich informiere mich jetzt nochmal mehr, was politisch passiert, und wäre in Nicht-Pandemie-Bedingungen vermutlich öfter mal auf einer Demo anzutreffen. Eine große Sache ist sicherlich auch die Vernetzung mit Gleichgesinnten durch die Tätigkeit beim BUND. Durch diese entstehen neue Ideen und Projekte und man kann einfach mehr bewirken als eine Einzelperson.

Im BUND Kreisverband Stuttgart arbeitest du hauptsächlich mit Kolleginnen zusammen. Denkst du, dass Frauen generell engagierter im Umweltschutz sind?

Im Vorstand haben wir tatsächlich ein Geschlechtergleichgewicht – 4 Frauen, 4 Männer. In manchen Teams, wie jetzt dem Redaktionsteam, sind es schon mehr Frauen, aber das liegt manchmal vielleicht auch eher an den eigenen Interessen und Vorlieben. Mit der Geschlechterverteilung bei den BUND-Mitgliedern habe ich mich tatsächlich bisher noch nicht beschäftigt, weil für mich primär zählt, dass Leute sich überhaupt engagieren. Schließlich geht uns Umweltschutz alle etwas an und meines Erachtens nach spiegelt sich das im Engagement insgesamt betrachtet auch so wider, zumindest in Deutschland.

Wo siehst du Parallelen im Engagement für den Umweltschutz und dem für Frauenrechte?

Umweltschutz im Zusammenhang mit Gender ist ein sehr komplexes Thema, dessen sich die Vereinten Nationen und andere Gruppen mittlerweile annehmen. Vereinfacht gesagt trifft der Klimawandel und Umweltverschmutzung die Geschlechter auf unterschiedliche Weise, speziell in ärmeren Ländern, wo generell schon die Auswirkungen des Klimawandels deutlicher zu spüren sind als hier. Ich nehme jetzt mal als Beispiel die Plastikkrise und beziehe mich auf den Plastik-Atlas der Heinrich-Böll-Stiftung: Aufgrund von biologischen Unterschieden und der Verwendung von belasteten Hygiene- und Kosmetikartikeln sind Frauen stärker von Kunststoffen und deren schädlichen Auswirkungen betroffen. Zudem sind Frauen als Müllsammlerinnen, Näherinnen, Reinigungskräfte oder bei der Hausarbeit häufiger in Kontakt mit toxischen Substanzen. Viele Initiativen in dem Bereich gehen deshalb von Frauen aus, darum muss ihnen ein gleichberechtigter Platz im Kampf gegen Umweltverschmutzung zuteil werden. Leider wird diese Denkweise von vielen Ländern immer noch nicht vertreten.

Was hältst du allgemein von den klassischen Geschlechterrollen?

Wenn damit sowas gemeint ist, die Frau in die Küche, der Mann geht arbeiten – dann kann ich da nicht viel mit anfangen. Mal ganz abgesehen davon, dass die klassische Geschlechtertrennung ja mittlerweile in Industrieländern wie Deutschland auch überholt ist. Meiner Meinung nach sollte das Geschlecht weder bestimmen, was man privat oder beruflich gerne macht, noch was man anzieht. Erst recht sollte es keinen Einfluss auf die Rechte oder die Rolle in der Gesellschaft einnehmen.

Was sind deiner Ansicht nach sinnvolle Maßnahmen, um eine Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu erreichen?

Ich glaube, der Knackpunkt hier ist, sich erst einmal damit zu beschäftigen, was Gleichberechtigung überhaupt bedeutet. Einige kennen sicherlich das Beispiel mit den drei verschieden großen Kindern, die über einen Zaun schauen wollen. Bekommen alle einen gleich großen Hocker, ist das zwar „Gleichbehandlung“, aber eines der Kinder sieht trotzdem noch nichts. Ein schönes Zitat stammt von Dr. Elisabeth Selbert: „Die Gleichberechtigung baut auf Gleichwertigkeit auf, die die Andersartigkeit anerkennt.“ Konkrete Maßnahmen hängen natürlich davon ab, an welchem Punkt eine Gesellschaft steht. Wenn wir auf Deutschland schauen, so wurden ja schon viele Maßnahmen ergriffen, beispielsweise bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Trotzdem hat „Frau“ weiterhin mit Vorurteilen im Hinblick auf Kinderplanung und -erziehung zu kämpfen. Hier liegt sicherlich noch Potential, was Chancengleichheit anbelangt, wobei auch viel mehr über bereits bestehende Möglichkeiten aufgeklärt werden sollte.

Welchen Beitrag leistet deiner Meinung nach der heutige Internationale Frauentag?

Ich denke, er ist auf jeden Fall ein Zeichen dafür, dass Gleichberechtigung mehr im Fokus stehen sollte, und deutet zumindest auf ein Bewusstsein hin, in dieser Hinsicht noch einiges tun zu müssen. Ein solcher Tag kann sicherlich dazu beitragen, dem Thema einen zeitlichen Rahmen zu geben, wenn jedes Jahr die Situation aktiv evaluiert wird und wir uns fragen, was hat sich verändert und was nicht? Im Optimalfall passiert das auch und dem symbolischen Tag folgen auch Taten. Gleichzeitig geben positive Beispiele aus aller Welt ja auch Mut, wofür der 8. März durchaus eine gute Plattform bietet. Ich glaube, der Tag trägt auf jeden Fall dazu bei, global auf das Thema aufmerksam zu machen, denn gemeinsam kann man immer mehr bewegen als allein.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin, Carina!

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