BUND Kreisverband Stuttgart

Der umfassende Kernwaffenteststopp-Vertrag ist nach 23 Jahren immer noch nicht in Kraft

29. August 2020 | Landwirtschaft, Ressourcen & Technik, Nachhaltigkeit, Lebenswertes Stuttgart

Es ist schon 23 Jahre her, dass der umfassende Kernwaffenteststopp-Vertrag bei der UN verhandelt wurde. Doch acht der 44 Staaten, die damals über Kerntechnik verfügten, haben den Vertrag noch nicht ratifiziert. Deshalb gibt es immer noch keine völkerrechtlich verbindliche Grundlage zum Verbot von Kernwaffentests. Auch Du kannst Dich für ein solches Verbot einsetzen.

Nuklearwaffentest (Bild: WikiImages / Pixabay)

Kernwaffen sind wohl die verheerendsten Waffen, die wir Menschen bislang entwickelt haben. Vor 75 Jahren wurden sie erstmals eingesetzt, nämlich bei den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki. Damals kamen zwischen 150.000 und 200.000 Menschen infolge der Druckwelle und der hohen Temperatur sofort ums Leben oder erlagen später ihren Verletzungen [1]. Außerdem sind die Überlebenden der Atombombenabwürfe und ihre Nachkommen überdurchschnittlich oft an Krebs oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erkrankt. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche Menschen an den Spätfolgen der Atombombenabwürfe gestorben sind [2].

Trotz der katastrophalen Auswirkungen der Atombombenabwürfe wurden bis heute mehr als 2.000 Kernwaffentests durchgeführt, davon über 500 oberirdisch. Die meisten dieser Tests fanden in der Wüste von Nevada (USA) und in Semipalatinsk (Kasachstan) statt. Bis heute haben acht Staaten Kernwaffen getestet: China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Nordkorea, Pakistan, die UdSSR und die USA [3].

Schätzungen zufolge sind allein bis zum Jahr 2000 mehrere hunderttausend bis drei Millionen Menschen durch Krebserkrankungen infolge von Kernwaffentests gestorben [3], [4]. Die Tests führten auch zu Umweltschäden, z.B. zur Verseuchung des Grundwassers und des Bodens [3].

Die IPPNW [5] stellt eine interessante interaktive Karte zur Verfügung, auf der Du Dich über die bisherigen Kernwaffentests und deren Folgen informieren kannst [6].

Bereits 1996 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Umfassenden Kernwaffenteststopp-Vertrag (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, CTBT) angenommen. Er tritt erst in Kraft, sobald er von allen 44 Staaten ratifiziert wurde, die 1996 über Kerntechnik verfügten. Jedoch haben aktuell drei dieser Staaten den Vertrag noch nicht unterschrieben (Indien, Nordkorea, Pakistan) und fünf weitere haben ihn noch nicht ratifiziert (Ägypten, China, Iran, Israel, USA) [7].

Damit gibt es immer noch keine völkerrechtlich verbindliche Grundlage zum Verbot von Kernwaffentests. Jüngere Entwicklungen verdeutlichen, in welcher Ferne ein solches Verbot liegt:

Meldungen wie die des Tagesspiegel vom 23. Mail 2020 berichten, dass die USA als Warnung an Russland und China erstmals seit 1992 einen Atomtest in Erwägung gezogen hätten [8]. Laut einem aktuellen Bericht des Spiegel gehen mehrere Staaten davon aus, dass Nordkorea nach seinen vier Kernwaffentests zwischen 2006 und 2017 sehr wahrscheinlich sein Atomwaffenprogramm weiter vorangetrieben und Kernwaffen entwickelt hat, die in die Sprengköpfe ballistischer Raketen passen [9].

Dass sich viele Menschen ehrenamtlich oder beruflich für ein Verbot von Kernwaffentests engagieren, gibt dennoch Hoffnung, dass die Regierungen und Parlamente der oben genannten acht Staaten letztendlich vom CTBT überzeugt werden können.

Du kannst Dich für das Verbot von Kernwaffentests einsetzen, indem Du zum Beispiel die Kampagnen von IPPNW [10] oder die Aktivitäten von ICAN [11] unterstützt.

 

[1] www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/313622/hiroshima-und-nagasaki

[2] www.deutschlandfunk.de/70-jahre-nach-hiroshima-immer-noch-erkranken-atombombenopfer.697.de.html

[3] www.atomwaffena-z.info/geschichte/atomwaffentests/auflistung-aller-tests.html

[4] www.icanw.de/fakten/auswirkungen/auswirkungen-von-atomwaffentests

[5] www.ippnw.de

[6] hibakusha-worldwide.org/de

[7] www.ctbto.org/the-treaty/status-of-signature-and-ratification

[8] www.tagesspiegel.de/politik/als-warnung-an-russland-und-china-usa-sollen-atomtest-in-erwaegung-gezogen-haben/25854730.html

[9] www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-besitzt-wahrscheinlich-atomwaffen-in-sprengkopfgroesse-uno-bericht-a-f580d767-f9f3-49a6-ada3-658c11ac481d

[10] www.ippnw.de/aktiv-werden/kampagnen.html

[11] www.icanw.de/aktivitaeten

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