BUND Kreisverband Stuttgart

Mit Pfand Ressourcen schonen

30. September 2022

Wir alle kennen es: Achtlos weggeworfene Plastikflaschen am Straßenrand, riesige Müllberge aus Plastik oder überquellende Mülleimer in der Stadt mit zahlreichen Take-Away-Essensverpackungen. Von einem vollständig geschlossenen Wertstoffkreislauf dank eines funktionierenden Pfandsystems kann oft leider keine Rede sein. Doch was genau steckt eigentlich hinter dem Pfand, welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen und wie kann ein Pfandsystem helfen, Ressourcen zu schonen?

 (Nick Fewings / Unsplash Nick Fewings)

Einer der Beweggründe, für Euch diesen Artikel zu schreiben, entstand in meinem kürzlich verbrachten Urlaub auf der wunderschönen Insel Korsika. Das Thema Plastikmüll aufgrund von Verpackungen wurde mir hier deutlich vor die Augen geführt: Der Einkauf von Wasserflaschen im Supermarkt und die anschließende Sammlung und Entsorgung der leeren Plastikflaschen in zahlreichen Müllsäcken, welche in der Mülltonne landen, ist auf Korsika sowie in ganz Frankreich an der Tagesordnung.

Der Grund für diese Unmengen an Plastikmüll in Frankreich liegt in einem fehlenden Pfandsystem auf Verpackungen, wie wir es aus Deutschland und ein paar wenigen anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Norwegen, Schweden und Dänemark, kennen. Doch was genau bedeutet Pfand in diesem Kontext? Kurz gesagt zahlen Verbraucher*innen einen Geldbetrag, der für (Mehrweg-/Einweg-)Verpackungen bezahlt und bei Rückgabe, beispielweise an einem Getränkepfandautomaten, zurückerstattet wird.

Welche Funktion hat Pfand?

Vordergründiges Ziel beim Pfandsystem ist das Recycling von Verpackungsabfällen und damit, im Falle der Mehrwegflasche, die Schließung des Wertstoffkreislaufs. Müll soll so vermieden, Ressourcen aufgrund der nicht notwendigen Produktion neuer Plastikflaschen aus Erdöl oder Erdgas geschont und die Umwelt damit geschützt werden.

Mehrweg oder Einweg mit Pfand?

Zu unterscheiden gilt es zwischen der Mehrwegflasche und der Einwegflasche mit Pfand, um bei dem plakativsten Beispiel eines Pfandsystems zu bleiben.
Bei Mehrwegflaschen werden die Getränkeverpackungen nach Rückgabe chemisch gereinigt, neu befüllt und dem Warenkreislauf wieder zurückgeführt – und das mehrmals.
Einwegflaschen werden zwar auch mit Pfand verkauft, können dagegen aber nur einmal genutzt und anschließend recycelt werden. Daher ist eine Mehrwegflasche von beiden Arten grundsätzlich die umweltschonendere Variante, weshalb diese dem Einwegpfand vorgezogen werden sollte.

Welche Herausforderungen gilt es bei Mehrweg zu beachten?

Allerdings gilt es dennoch bei Mehrwegflaschen eine Herausforderung zu berücksichtigen. Brauereien, Mineralwasser- oder Safthersteller benutzen vermehrt eigene Flaschentypen, sogenannte Mehrweg-Individualflaschen. Dieser Umstand macht es den anderen Abfüllern immer schwerer bzw. unmöglich, diese Mehrwegflaschen selbst zu nutzen. Die immer größer werdende Flaschenvielfalt resultiert daher unter anderem in weiteren Transportwegen für das Leergut sowie in einer deutlich geringeren Umlaufquote der Flaschen.
Eine denkbare Lösung wäre es, einen Standard hinsichtlich Form, Größe, Beschaffenheit etc. auf Mehrwegflaschen einzuführen und damit den Mehrweg-Individualflaschen den Kampf ansagen zu können.

Pfand auf Mehrwegverpackungen in der Gastronomie

Neben dem oben behandelten Pfandsystem auf Plastikflaschen geht Abfallvermeidung und Ressourcenschonung natürlich noch anders. Auch die Mehrwegverpackung mit Pfandabgabe für Take-Away-Essen/Getränke ist ein positiv zu betrachtender Trend geworden.

In Stuttgart und Umgebung z.B. findest Du in immer mehr Cafés und Restaurants die Möglichkeit, Dir Deinen Kaffee, Müsli oder warmes Essen in einer Mehrwegverpackung mit Pfand mitgeben zu lassen. Vor allem die nachhaltigen Mehrwegbehälter der Marke recup sind in der Landeshauptstadt weit verbreitet. Nach Benutzung kannst Du ganz einfach Deinen Cup oder Deine Bowl in einem der mittlerweile zahlreichen teilnehmenden Restaurants abgeben – und entweder direkt neu befüllen lassen oder Dir das Pfandgeld auszahlen lassen. So trägst Du auch damit aktiv zur Müllvermeidung und Ressourcenschonung bei.

Grund zur Hoffnung – Mehrwegpflicht und weitere europäische Nachzügler mit Pfandystem

Eine weitere positive Entwicklung beinhaltet die beschlossene Mehrwegpflicht, welche zum 01. Januar 2023 in Deutschland in Kraft treten soll. Ab diesem Zeitpunkt werden alle Gastronomiebetriebe, inklusive Bäcker, Cafés und Lieferdienste, dazu verpflichtet, Dir für Dein Getränk oder Essen zum Mitnehmen neben Einwegverpackungen mindestens ein alternatives Mehrwegbehältnis anzubieten. Diese Regelung soll dazu beitragen, die knapp 800 Tonnen Verpackungsmüll durch Take-Away-Verpackungen, die in Deutschland an einem einzigen Tag anfallen, zu reduzieren.

Mit Blick auf die anderen europäischen Länder besteht ebenso Grund zur Hoffnung. Immer mehr Länder haben bereits ein Pfandsystem eingeführt oder zumindest den Beschluss gefasst, in den kommenden Jahren nachzuziehen. 
Wann es auf Korsika soweit sein wird, bleibt abzuwarten – dass jedoch auch dort dringend etwas gegen die Unmengen an Plastikmüll getan werden muss, steht außer Frage.

Quellen:

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