BUND Kreisverband Stuttgart

Die konventionelle Landwirtschaft

10. Mai 2021 | Landwirtschaft, Lieferkette

Die konventionelle Landwirtschaft ist die meist verbreitete Form der Landwirtschaft. Bis zu 90 % der landwirtschaftlichen Betriebe setzen zurzeit auf die konventionelle Produktion.

Raps ist eins der fünf häufigsten Nutzpflanzen die auf den deutschen Fäldern vorkommen.

Seit den 1950er Jahren unterliegt die konventionelle Landwirtschaft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Offiziell stehen ökologische und ökonomische Anbaumethoden gleichermaßen im Vordergrund. Das heißt, die Produktion soll so natürlich wie möglich sein. Die Realität sieht jedoch meist anders aus: Düngemittel werden industriell hergestellt, Saatgut stammt aus Saatgutfirmen und Tierprodukte aus der Massentierhaltung. Die Natur muss den weiten Monokulturen weichen.

Die GAP arbeitet mit zwei Subventionsarten, den zwei Säulen, um die Landwirte in der EU zu unterstützen.

  1. Die erste Säule umfasst die Flächenprämie; dabei erhalten die Landwirte pro Hektar eine Prämie. Davon profitieren aber nur die großen landwirtschaftlichen Unternehmen. Die Massenproduktion wird gefördert, nicht die Qualitätsproduktion. EU-weit fließen 80 % der Flächenprämien an 20 % der Großbetriebe. In Deutschland kassieren 1,7 % der Betriebe ein Viertel aller Direktzahlungen [1]. Das hat zur Folge, dass die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland in den letzten 40 Jahren von zwei Millionen auf 300.000 gesunken sind, während die Erzeugnisse stets anstiegen!

Das moderne Agrarsystem ist auf Gewinnmaximierung und Wachstum ausgelegt.  Das Konzept wurde nach dem 2. Weltkrieg entwickelt um die Nahrungsmittelzufuhr zu sichern. Durch die Spezialisierung auf ein Gebiet und die Industrialisierung der Landwirtschaft geht der Bezug zur Natur immer mehr verloren. Während zunehmend höhere Warenüberschüsse produziert werden. Hier beginnt der Teufelskreis von neuem, denn durch die Überproduktion und die damit sinkenden Marktpreise muss ein Betrieb noch mehr produzieren, um Gewinn zu machen.

  1. Die zweite Säule beruht auf bestimmten Programmen wie dem Ökolandbau, Agrar-Umweltprogrammen, dem Management der Natura 2000 Gebiete für den europäischen Artenschutz und die Regionalvermarktung sowie Maßnahmen zur Entwicklung im ländlichen Raum. Leider werden für all diese Maßnahmen lediglich 20 % des GAP-Budgets investiert. Angesichts der Klimakriese und der nötigen Agrarwende ist das zu wenig. Die europäische monokulturelle Landwirtschaft wird unterm Strich dazu motiviert, dass sie mit Umweltzerstörung, Landraub und Menschenrechtsverletzung arbeitet.

 

Der BUND und 20 andere Verbände aus dem Bereich Umwelt-, Natur- und Tierschutz haben 2020 eine umfangreiche Forderung für EU-Budget Planung veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte der BUND seine Forderung für die EU-Agrarpolitik bis 2023

Was genau ist nun problematisch an der konventionellen Bewirtschaftung?

Die konventionelle Landwirtschaft konzentriert sich meist nur auf eine bestimmte Pflanzen - oder Tierart. Im Extremfall führt das zu Monokulturen und Massentierhaltung. Das Ziel ist dabei, den höchst möglichen Ertrag für den geringsten Preis zu produzieren. Dazu braucht es große Anbauflächen, jedes Jahr hohe Enderzeugnisse, die dem „Schönheitsideal“ entsprechen, und Pflanzen, die maschinell geerntet werden können. Dies ist ein zentraler Grund dafür, warum in Deutschland so viel Mais, Weizen und Raps produziert wird.
Artenvielfalt, Bodenstruktur und Grundwasser leiden sehr unter diesem intensiven und einseitigen Ackerbau:

  • Die Felder sind hierzulande sehr eng aneinandergereiht, lassen also kaum Raum für natürliche Pflanzen, Flüsse und Tiere.
  • Die oberste Humusschicht wird beim konventionellen Ackerbau meist weggenommen und jedes Jahr maschinell umgegraben. So kann keine nachhaltige und lebendige Struktur gebildet werden, geschweige denn CO2 gespeichert werden.
  • Die nährstoffarme Erde wird durch fossile und synthetische Mineraldüngemittel bearbeitet, was wiederum die erdeigenen, regenerierenden Mikroorganismen „arbeitslos“ macht.
  • Die Mischung aus Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden hinterlässt kaum Leben und ist zu großem Teil für das Bienensterben verantwortlich.
  • Inhaltsstoffe der Düngemittel wie Nitrat, Glyphosat und die Pestitzidrückstände gelangen über die Erde in das Grundwasser und verunreinigen damit Flüsse, Seen und das Meer! (Mehr zum Düngen erfährst Du hier)
  • Die Landwirtschaft weltweit ist der größte Wasserverschwender. Besonders tierische Erzeugnisse brauchen viel Wasser, doch auch die Nutzung von Mineraldünger und Pestiziden erfordert einen höheren Wasserverbrauch.
    Gleichzeitig gehen wir momentan auf eine weltweite Trinkwasserknappheit zu.


Diese Art der Landwirtschaft sichert vielleicht eine kurzfristige Ernteerhöhung, doch die Langzeitfolgen sind gravierend. Findet kein Umdenken statt, werden die Böden bald unbestellbar und unfruchtbar sein!

Einige konventionelle Betriebe arbeiten aber auch anders. Sie wenden Dünger und Pestizide moderat an, weil sie sich keinen Ernteausfall leisten können.  Außerdem darf man hier nicht vergessen, dass die konventionelle Landwirtschaft einen stabilen Lebensmittelmarkt sichert. Dies ist ein großes Privileg, dessen sich jeder bewusst sein sollte! Jedoch müssen die alten Ziele, stets effizienter und mehr zu produzieren, überdacht werden. Ein weitaus erstrebenswerteres Ziel ist, auf eine gute, faire und vor allem umweltfreundliche Qualität zu setzen. So können wir sicherstellen, dass durch unsere Ernährung die Artenvielfalt bestehen bleibt, die Böden auch noch für unsere Enkelkinder nutzbar sind und die Gewässer sauber gehalten werden. Die Konkurrenz und Optimierung, die ein wirtschaftlicher Markt „braucht“ kann auch hierbei umgesetzt werden. An der Spitze steht eine nachhaltige, umweltbewusste und erneuerbare Kreislauflandwirtschaft, in der die Erzeuger fair und angemessen bezahlt werden.

 

Wie sieht es mit dem Wohl der Bauern aus?

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind über die Jahre immer weniger geworden, man spricht hierbei von einem Hofe sterben. Dafür ist die durchschnittliche Fläche pro Betrieb über 200 Hektar gestiegen [2]. Diese Großbetriebe bauen meist die für sie profitabelsten Marktfrüchte an: Weizen, Mais und Raps. Dem Umweltbundesamt zufolge werden rund 60 % der landwirtschaftlichen Flächen für Tierfutterpflanzen und 20 % für Energieerzeugung genutzt [3]. Alle, die schon mal auf dem Land waren, kennen die endlosen Mais- oder Weizenfelder. Heutzutage haben wir es nur noch selten mit einzelnen Familienbetrieben, sondern häufiger mit Genossenschaften oder Personengesellschaften zu tun, deren primäres Ziel die Gewinnmaximierung ist.
Viele konventionelle Bauern versuchen, sich mit der Zucht von Tieren und einigen Pflanzerzeugnissen zu halten, doch machen es die niedrigen Preise extrem schwer. Ein kleiner Familienbetrieb mit 50 Hektar kann mit einem Betrieb von 200 Hektar nicht mithalten. Hinzu kommt, dass eine Kreislaufwirtschaft, in der es eine Handvoll Tiere, Ackerfelder und Grünflächen gibt, finanziell gesehen nicht mehr realistisch ist. Also müssen sich viele auf eine Anbauart spezialisieren, um mithalten zu können. Sie setzen oft auf Hybridsaatgut, um sicher zu gehen, dass die Ernte erfolgreich ist und den Marktanforderungen entspricht. Die Nutzung von Hybridpflanzen-Saatgut ist weit verbreitet und führt Landwirte überall auf der Welt in eine Abhängigkeit von großen Saatgutunternehmen. Jedes Jahr müssen die Bauern neues patentiertes Saatgut vom Händler kaufen, denn die Nachkommende Generation des verwendeten Hybridsaatgutes hat nicht mehr die gewünschten Eigenschaften der Elterngeneratio! Mehr Informationen zur Saatgut findest du hier.
 
Der Gemüse- und Obstanbau ist sehr zurückgegangen und nimmt in Deutschland nur 2,7 % der landwirtschaftlichen Fläche ein. Ein Grund dafür ist, dass die Importware so viel billiger ist. Unsere Supermarktware aus dem Ausland entspricht ganz anderen Standards. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln wird wenig bis gar nicht reguliert, wobei Menschenrechtsverletzungen sowie Ausbeutung der Arbeitskräfte gängige Praxis ist. Einheimische Landwirt*innen sind somit unter hiesigen Produktionsbedingungen nicht konkurrenzfähig!

Ein weiterer Faktor für das Schwinden der Kleinbauern ist die enorme Konkurrenz und Planungsunsicherheit. Der Erzeuger braucht einen Abnehmer, in diesem Fall meist große Unternehmen wie, Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Da diese eine starke Marktmacht haben, können sie die Preise drücken oder die Landwirte auf ihrem Erzeugnis sitzenlassen. Diese großen Unternehmen können den Markt lenken, sich das billigste raussuchen und somit den meisten Profit ergattern. Viele kleine Bauern müssen sich dann entweder dem viel zu niedrigen Marktpreis beugen oder sie gehen ganz leer aus. Das gilt sowohl für konventionelle als auch für einige Bioprodukte, die in den großen Supermarktketten verkauft werden.

Eine Gegenstrategie ist hier die Direktvermarktung, denn dadurch können die Erzeuger ihre Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten und die Erlöse, die sonst bei Groß- und Einzelhandel lande, belieben bei ihm selber.
 

Hier muss aber endlich ein angemessenes Lieferkettengesetz von der Regierung verabschiedet werden. So können die Landwirtinnen weltweit nachhaltig geschützt werden (Mehr zum Lieferkettengesetz und den Mängeln des Gesetzentwurfs findest Du hier). Zudem muss die GAP dringend geändert werden, umweltfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft soll gefördert werden, nicht die umweltschädlichen Monokulturen. Ein Wandel in dem Denken und Handeln der Konsumenten ist dringend notwendig, Wir entscheiden letztendlich was auf den Tisch kommt und was nicht!  
 

Was kannst Du hier machen?

Kaufe so regional wie möglich ein und informiere Dich über die Landwirte in deiner Umgebung. Es gibt heutzutage in fast jeder großen Stadt eine Bauerninitiative, bei der Du mitmachen kannst und deine Lebensmittel direkt vom Hof bekommst. Informiere Dich aber auch darüber, wie sie anbauen (möglichst naturbelassen). Viele Pflanzen wie Tomaten und Gurken kannst du auch selbst auf deinem Balkon oder in deinem Garten anpflanzen. Das wichtigste ist, bewusst zu konsumieren und sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Hier kannst du dir eine Übersicht mit all den wichtigen Öko- und Fair-Trade-Siegel anschauen.

Baueninitiativen in und um Stuttgart:
etepetete https://etepetete-bio.de/diebox
solawi https://solawis.de/
Reyerhof https://www.reyerhof.de/
Bio-Hofläden https://www.mein-bauernhof.de/hofladen-produkte/stuttgart/

 

 

Quellen:

  1. https://www.bund.net/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik/
  2. https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/so-hat-sich-die-deutsche-landwirtschaft-entwickelt/
  3. https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft
  4. Vegan World Magazin
  5. https://utopia.de/ratgeber/konventionelle-landwirtschaft-kennzeichen-und-nachteile/

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