BUND Kreisverband Stuttgart

Persönliche Geschichten zum Internationalen Männertag - Ein Interview mit unserem Kollegen Jannik Denz

19. November 2020 | BUNDintern

Eigentlich besteht unser Redaktionsteam hauptsächlich aus Frauen. Wir haben uns aber überlegt, dass wir den heutigen Tag gerne dazu nutzen würden, einen unserer Kollegen genauer vorzustellen: Ich habe mit Jannik gesprochen. Er macht gerade seinen Bundesfreiwilligendienst beim Kreisverband Stuttgart des BUND und übernimmt viele organisatorische Aufgaben im Büro. Jannik ist 21 Jahre alt, spielt, seit er sieben Jahre alt ist, Baseball und geht in seiner Freizeit gerne Radfahren in den Weinbergen zwischen Cannstatt und Zuffenhausen.

Jannik Denz BfDler 2019/20  (Theresa Thiemeier / BUND KV Stuttgart)

Sich mit Geschlechterrollen, Gleichberechtigung, der Gesundheit von Männern, Prostatakrebs, der Lebenserwartung, modernen Männerrollen und mit einem wandelnden Vaterschaftsbild beschäftigen… zu all dem und noch mehr lädt der Internationale Männertag ein. Während es den Weltfrauentag bereits seit 1911 gibt, findet der Internationale Männertag erst seit 1999 regelmäßig statt und trägt dazu bei, die öffentliche Aufmerksamkeit auf soziale Themen und Probleme zu richten, denen Männer jeden Tag begegnen.

 

Hallo Jannik, kommst Du eigentlich gebürtig aus Stuttgart?

Ich komme eigentlich aus Schwäbisch Hall und bin über meinen Sport nach Stuttgart gekommen. Ich habe schon immer leidenschaftlich gerne Baseball gespielt. Als ich 13 war, konnte ich nicht mehr in Hall mittrainieren, da die Trainingszeiten geändert wurden. Ich habe mich dann nach Alternativen umgeschaut und bin so auf Stuttgart gekommen. Das ging nur, weil mein Vater mich so stark unterstützt hat und mich drei- bis fünfmal pro Woche nach der Schule zum Training gefahren hat.

Wie lange bist Du schon beim BUND?

Nach dem Abi habe ich angefangen, im Kindergarten zu arbeiten und bin danach, letzten Oktober, nach Stuttgart gezogen, um beim BUND meinen Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren.

Wieso bist Du beim BUND?

Mir war klar, ich möchte irgendetwas in Stuttgart machen, weil ich weiterhin hier Baseball spielen wollte. Und eigentlich habe ich mich viel zu spät um einen Bundesfreiwilligendienst gekümmert, also war es eher Zufall, dass ich beim BUND gelandet bin. Doch im Endeffekt war es das Beste, was mir passieren konnte!

Wie gefällt Dir die Arbeit beim BUND?

Gleich nach meinem ersten Gespräch mit Silvia, unserer vorherigen Kreisgeschäftsführerin, habe ich gemerkt, dass es hier genial ist. Denn hier wird man wertgeschätzt und nicht als billige zusätzliche Arbeitskraft gesehen. Da bekommt man richtig Lust, hier alles zu geben.

Was sind Deine Aufgaben beim BUND?

Ich komme morgens ins Büro und schaue erst mal nach der Post, beantworte Mails und Anfragen und mache dann, was so ansteht. Es gibt immer etwas, auf das ich hinarbeite. Oft bereite ich Workshops, Seminare oder Vorträge vor. Durch die Umstrukturierung gibt es jetzt auch viel in der Buchführung und Datenverwaltung zu tun. Ich kann meine Office Skills hier verbessern und konnte viele Kontakte zu neuen Leuten knüpfen.

Was macht Dir am meisten Spaß?

Wenn ich eine Sache aussuchen müsste, würde ich sagen, dass mir die Vorbereitung auf eine Veranstaltung hin und deren Durchführung am meisten Spaß machen. Es gibt viel zu beachten, es ist stressig und oft läuft auch etwas schief. Aber meist bemerkt es das Publikum nicht. Wenn es dann positive Rückmeldungen vom Publikum gibt, merkt man, dass es sich gelohnt hat. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß, den Newsletter zu schreiben, weil ich dabei merke, was gerade alles los ist, und ich aussuchen kann, welche Themen ich mit hineinnehme.

Wie hilft Dir die Stelle persönlich weiter?

Ich befasse mich viel tiefgehender mit Umweltthemen. Beispielweise durch den Plastikworkshop, die Artikel unseres Redaktionsteams, die ich gelesen habe, Mails die hereinkommen, Vorträge… Ich bin nicht darum herumgekommen, mich entsprechend einzuarbeiten. Persönlich hat mir die Stelle, was Umwelt- und Klimaaspekte angeht, die Augen geöffnet. Denn durch mein Verhalten, beispielsweise die ganze Autofahrerei, war ich echt eine Umweltsau. Ich habe auf sehr wenig geachtet und viel Billigfleisch zu mir genommen. Aber seit ich hier bin, habe ich mich sehr für viele Themen sensibilisiert und einiges über Klimaschutz und Klimawandel gelernt. Da nehme ich viel mit, habe einiges in meinem Konsumverhalten geändert und möchte das auch weiterhin so beibehalten.

Wie findest Du es, hauptsächlich mit Kolleginnen zusammenzuarbeiten?

Mir ist es eigentlich egal, ob ich mit Mann oder Frau zusammenarbeite, ich schaue immer: Mag ich die Person von der Art her? Komme ich mit ihr klar? Alles andere ist für mich eher sekundär. Ich komme super mit meinen Kolleginnen klar. Und ganz generell geht es mir vor allem darum, erst mal zu schauen: Wie ist der Mensch?

Was hältst du von Männer- und Frauenquoten?

Ich denke, dass das ein Anfang ist. Jedoch sind Quoten kein Allheilmittel und persönlich bin ich der Meinung, dass es eigentlich der falsche Ansatz ist. Ich finde, man sollte aus dem Schubladendenken herauskommen und schauen: Ist er oder sie qualifiziert? Passt er oder sie von der Persönlichkeit und der Arbeitsmoral in mein Team? Das sind doch die Dinge, auf die es ankommt. Also verstehe ich nicht, warum man nach Quoten geht. Wichtig ist doch: Wie wird gearbeitet und wie kommt man mit den Kolleg*innen klar?

Hast Du schon einmal vom International Men’s Day gehört?

Erst in Verbindung mit dem Redaktionsteam, aber inzwischen gibt es ja für alles einen Tag.

Was denkst Du, warum es ihn gibt und was würdest Du tun?

Ich könnte mir vorstellen, dass der Tag einberufen wurde, um ein Gegengewicht zum Weltfrauentag einzurichten. Vielleicht geht das auch in dieselbe Richtung wie der Vatertag, in einer Männerrunde zusammenkommen und so. Ich persönlich würde mich mit Kumpels treffen und etwas unternehmen.

Tatsächlich geht es um mehr, beispielsweise um Geschlechterrollen, die persönliche Entwicklung von Männern und gesundheitliche Aspekte. Wie findest Du es, dass heute über Männerrollen und ein wandelndes Bild von Männern gesprochen wird?

Puh, dafür bin ich, glaube ich, der falsche Ansprechpartner. Bei uns war Papa daheim und Mama hat gearbeitet. Also bin ich da vielleicht von vorneherein komplett anders eingestellt. Aber es ist eine gute Idee, darauf aufmerksam zu machen.

Findest Du einen Internationalen Männertag sinnvoll?

Nach den Aspekten, die du erwähnt hast, ja. Also wenn es um Themen wie Gesundheit und Entwicklung geht. Aber ich finde, da wandert man schnell auf einem schmalen Grat, denn es gibt immer Idioten, die den Zweck entfremden. Wenn es nur vorgeschoben ist, um eine Gleichberechtigung bzw. ein Gegengewicht zum Weltfrauentag zu bekommen, finde ich es bescheuert.

Also findest Du es nicht sinnvoll, den Internationalen Männertag als ein Gegenwicht zum Weltfrauentag zu haben?

Ich finde vor allem den Weltfrauentag wichtig. Noch ist es leider nicht so, dass beide Geschlechter gleichberechtigt sind. Und wenn Männer anfangen zu schreien: „Wir brauchen Gleichberechtigung!“, dann stimmt das einfach nicht, wenn man auf die Gesellschaft schaut. Es heißt, wir seien eine gleichberechtigte Gesellschaft, aber wenn man schaut wer wo sitzt… ich merke es auch an dem, was ich von meiner Mutter mitbekomme. Oft frage ich mich dann, wie es sein kann, dass sie solche Vorgesetzten hat. Die Frauenquote ist vielleicht ein Anfang. Aber ich meine, man muss einfach das Denken ändern und viel muss passieren, bevor dieses Denken aus den Köpfen verschwindet.

Was hast Du als nächstes vor?

Ich will mich bei der Landespolizei bewerben, es bei der Bundespolizei probieren oder versuchen, zum Zoll zu kommen. Wenn das nicht klappt, möchte ich ein Studium im Bereich Sportwissenschaften oder Umweltschutz anfangen, beispielsweise Landschaftsarchitektur oder Ressourcenmanagement. Vor meinem BfD wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass mich so etwas interessieren könnte. Da hat mir die Arbeit beim BUND sehr geholfen, meinen Horizont zu erweitern. Auf jeden Fall wird bei der Auswahl des Ortes dann auch eine große Rolle spielen, ob es dort in der Nähe eine Baseballmannschaft gibt, die mir gefällt.

Hast Du ein Vorbild?

So ein generelles Vorbild an sich eigentlich nicht, nein. Ich denke, ich habe für die verschiedensten Aspekte immer ein anderes Vorbild. Zum Beispiel hatte ich mir beim Baseball Gary Owens, einen unserer Importspieler, der nun in Heidenheim spielt, als Vorbild genommen. Oder was das Verhalten in einer Führungsposition angeht, möchte ich genauso motivierend und angenehm wie Silvia werden. Aber ein allgemeines Vorbild habe ich nicht, denn ich möchte meinen eigenen Weg gehen.

 

Weiteres zum Internationalen Männertag:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.internationaler-maennertag-maennlichkeit-im-wandel-mann-o-mann.f70a92bf-4def-46b3-8cd4-1b1cd7e48606.html

https://www.zeit.de/karriere/2010-03/gleichstellung-maenner-frauen

https://dertagdes.de/jahrestag/internationaler-maennertag/

https://www.kuriose-feiertage.de/internationaler-maennertag/

https://internationalmensday.com/things-to-do/

 

Jasmin Hauer gehört zum Redaktionsteam des BUND Stuttgart und ist Mitglied im Team Karte von morgen. Die Politikstudentin interessiert sich für vegane Ernährung, geht gerne wandern und hat eine Leidenschaft für Japan.

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